Poesie in Bewegung

Die Ausstellung von Reinhard Zabka eröffnet eine neue Ausstellungsreihe »Wahlverwandtschaften« im Museum für Sächsische Volkskunst in Dresden

Künstlerinnen und Künstler haben sich stets für Grenzüberschreitungen interessiert: zur Volkskunst, naive Malerei, »art brut«, Stammeskunst, »airport art« und Kitsch, Trivialkunst und Sonntagsmalerei als lustvolle Provokationen gegenüber den Legitimationsstrategien zeitgenössischer Kunst. Sie lieben die Provokation gegen den vorherrschenden Kunstgeschmack. Denn die Kunst, die sich permanent Neu definiert, ist ein Ort der gesellschaftlichen Abgrenzung, wo verschiedene Schichten und Szenen ihre Identitäten stärken, indem sie die Unterschiede zu anderen betonen.

»Liason« im Museum für Sächsische Volkskunst

Mit seiner unbestimmbaren Kreativität und seinem Hang zum Paradox konstruiert Reinhard Zabka Maschinen zur Belustigung, anarchische Apparate im ironischen Leerlauf. Seine Kunst ist nicht die Kapitulation vor der Komplexität der Welt, sondern eine Form der Bewältigung dieser. Daraus resultiert Kontroverse und natürlich Ablehnung. Das sind Schutzmechanismen, bis sich herausstellt, dass kein Unheil droht durch die Annahme eines neuen Geschmackskriteriums. Das geht schnell, dann gehört das Phänomen zur Alltagskonvention.

Aber es kommt darauf an, wie das Publikum reagiert. Geschmack beruht auf der Fähigkeit, zu unterscheiden. Seine Fans beweisen einen hohen Geschmack, weil sie in der Lage sind, dieses von den sonstigen Angeboten zu unterscheiden. Bazon Brock Professor für Ästhetik: »Vom Wahren können wir nur noch mit Blick auf das Falsche, auf die Lüge reden. Das will uns der Künstler mit seinem in Sachsen angefochtenen Lügenmuseum sagen, und da steht es in der Tradition von Till Eulenspiegel, Nietzsche, dem braven Soldaten Schwejk oder Mr. Bean: ‚Alles auf den Tisch, bis er bricht.‘ Die unerfüllbare Sehnsucht nach Stabilität, nach Heimat und ethnischer Homogenität wird vollkommen durchschaubar. Es hat eben eine brillante volkspädagogische Wirkung, ein modernes Fass des Diogenes.«

Reinhard Zabka stellte in Italien, Frankreich, England, Polen, Niederlande, Indonesien, Thailand, Philippinen und Burma aus, war zur Biennale Venedig eingeladen, organisierte Straßenfeste, Ausstellungen und internationale Kunstereignisse, erhielt Stipendien, zuletzt den Radebeuler Kunstpreis.

Richard von Gigantikow

Ausstellung vom 17.März bis 21.Mai 2018

Pressegespräch Freitag 16.März 2018 um 11.30 Uhr

In der Osterausstellung im Jägerhof gleich kein Ei dem anderen
Christian Ruf, DNN, 17. März 2018

Museum für Sächsische Volkskunst
Köpckestraße 1
01097 Dresden

Öffnungszeiten: täglich 10—18 Uhr
Montag geschlossen