Lügenmuseum

Titanic-oder-Narrenschiff und die Psychedelica Maschinka (dahinter) im Lügenmuseum Radebeul, fotografiert am 25. März 2017.
Foto: André Wirsig

„Ich habe mir alles selbst erfunden, eine Kindheit, eine Persönlichkeit, Sehnsüchte, Träume, Erinnerungen, um sie erzählen zu können, die Lüge ist immer interessanter als die Wahrheit.“ – Federico Fellini
(Dieses Zitat steht am Eingang zum Gasthof Serkowitz in Radebeul.)

Legenden ranken sich um das augenzwinkernde Lügenmuseum. Alles begann damit, dass Emma von Hohenbüssow in einem blauen Pavillon Dinge sammelte, die es gar nicht gibt: das Loch aus der Zauberflöte von Mozart, das legendäre Ohr von Vincent van Gogh und die Silberbüchse von Winnetou.

In den zwanziger Jahren wurde es von Dadaisten wiederentdeckt. Auf einem Dachboden verstaut überstand es die Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg. Danach war die Sammlung unauffindbar. Dann, 1980, kaufte Richard von Gigantikow eine alte Landarbeiter-Kate in Babe, einem Dorf im abgeschiedenen brandenburgischen Rhinluch. Er fand auf einer illegalen Mülldeponie merkwürdige Reste einer nicht einzuordnenden Sammlung, darunter ein kleines Büchlein. All das inspirierte den Künstler und er begann, Emmas Museum zu rekonstruieren. Er „erträumte“ und erbaute das Lügenmuseum als eine Wunderkammer mit skurrilen Objekten, die wie ein kleiner Wanderzirkus auf Wagen und Schlitten umherziehen.

Nach 1989 erweckte Richard von Gigantikow das kleine Museum der legendären Dinge wieder zum Leben, um eine außergewöhnliche Tradition fortzusetzen. Sieben Jahre später zog es ins Schloß Gantikow und wiederum 14 Jahre später nach Radebeul. Der verfallene Charme des historischen Gasthofes Serkowitz bildet nun den Rahmen für dieses Gesamtkunstwerk.

Die Ausstellungsobjekte handeln von Kreativität und Imagination und kreisen um wiederkehrende Menschheitsthemen: das Rätsel, das Geheimnis, die Erinnerung, die Illusionen des Lebens und die Beseeltheit der Welt – und nicht zuletzt um die Heiterkeit und das Glück. Die künstlerische Reise führt am Ende in das Herz der Betrachtenden und erreicht deshalb Menschen aller Weltgegenden, aller Altersgruppen und aller sozialen Milieus.

Künstler konstruieren andere Museen: Maschinen zur Belustigung, anarchische Apparate im ironischen Leerlauf. Die Himmelsscheibe von Serkowitz, die Kyritzer Knatter, der Originalton vom Untergang der Titanic und die Silberbüchse von Winnetou setzen nicht nur die Phantasie der Betrachtenden frei, sondern auch deren eigene Gewitztheit.

Die Wanderschaft zieht sich wie ein roter Faden durch die Biografie des Lügenmuseums: Indonesien, Thailand, Burma, Italien, England, Dänemark, Polen, Frankreich und auf den Philippinen, dort veranstaltet Gigantikow gemeinsam mit lokalen Künstlern soziale Kunstaktionen im öffentlichen Raum. Inspirationen aus anderen Weltgegenden gelangen so nach Deutschland zurück.

Im Lügenmuseum zu Radebeul gibt es für alle Besucher eine Einführung, einen Lügentee sowie natürlich den Rundgang durch die zwölf Räume. Im maroden Charme des historischen Tanzsaales – die Farbe blättert ab – finden zudem regelmäßig Ausstellungen zeitgenössischer Künstler aus aller Welt statt. Das Lügenmuseum bietet auch besondere Gelegenheiten für Familienausflüge, individuell gestaltete Geburtstagsfeiern, als Betriebstour und als Ferienaktivität.

Den internationalen Weltlügentag feiert das Lügenmuseum mit einem Weltlügenball am 1. April.

Kötzschenbrodaer Str. 39, 01445 Radebeul/Dresden
Geöffnet: Sa & So , Ferien & Feiertage 13-18 Uhr
www.luegenmuseum.de   Tel. 0176-99025652
info@luegenmuseum.de oder luegenmuseum@gmail.com

Fotos: André Wirsig

Beitragsfoto: André Wirsig

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