Das andere Freiheits- und Einheitsdenkmal

Nach der Untergrundausstellung „unverbesserlich ’89“ in 2014 im historischen Tanzsaal vom Gasthof Serkowitz nun der 2. Teil: Labyrinth Deutsche Einheit.

Mit Taschenlampe zu erleben: Das Labyrinth Deutsche Einheit im Lügenmuseum · Foto: André Wirsig · © Lügenmuseum 2015

Der künstlerische Anspruch für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal in der Stadt Leipzig endete in einer Kollision der politisch – instrumentellen Interessen. Am 16. Mai 2014 stoppte Oberbürgermeister Burkhard Jung den Wettbewerb.

Der Konflikt mit vielfältigen Instrumentalisierungsansprüchen, diffusen Volksmeinungen, politischen Antipathien und geschmacklichen Urteilen schädigte die Idee erheblich. Für das geplante „Freiheits- und Einheitsdenkmal“ in Berlin gab am 13. April 2011 Kulturstaatsminister Bernd Neumann den endgültigen Sieger bekannt: den Gemeinschaftsentwurf von Johannes Milla und Partner (Stuttgart) und Shasha Waltz (Berlin). Für das Denkmal, das auf dem Berliner Schlossplatz errichten werden soll, fehlten repräsentative Aussagen von Bürgerrechtlern und Demonstranten des Herbstes 1989. Es sparte die Probleme, das Knirschen und ja, auch die gefühlte Marginalisierung vieler Ostdeutscher aus. Der Entwurf wurde mit viel Gemauschel und ganz ohne Bürgerbeteiligung zum Sieger gekürt und erntete Hohn und Häme. Die Leute fühlten sich verschaukelt.

Joseph Beuys wollte den überkommenen Denkmalbegriff sprengen und dessen Starre überwinden. Von ihm stammt der Begriff der „sozialen Plastik“. Es bedarf keiner – und schon gar keiner millionenteueren – Installation, meinte Beuys, um denken anzuregen und dadurch soziale Plastiken hervorzubringen.

In dieser Vorstellung von Beuys ist auch das hier beantragte Projekt einzugliedern. Das Labyrinth der Einheit involviert sowohl Künstler verschiedener Herkunft, mit unterschiedlichem Hintergrund und aus unterschiedlichen Sparten als auch interessierte Bürger und die Besucher.

Die Einheit ist nicht abgeschlossen und die Teilung nicht überwunden, denn die Vorurteile auf beiden Seiten der Elbe wollen nicht verschwinden.

Das unabhängige Wirken ausgegrenzter Künstler im Osten bereitete mit dem Weg zur friedlichen Revolution und zum Mauerfall und schließlich zur Deutschen Einheit. Heute möchte diese Ausstellung Toleranz vermitteln, sie wird helfen, Frustration und Ablehnung in Kreativität umzuformen. Das Labyrinth der Deutschen Einheit wird zum einem zeitgenössischen Wandelgang, einem Kreuzgang durch die Geschichte der Wiedervereinigung.

Das Labyrinth zeigt das Prozesshafte der Einheit, den Blick aus verschiedenen Perspektiven. Erinnerungsrituale, Instrumentalisierung und Deutungshoheit der Geschichte werden in eine zeitgenössische Form übersetzt hin zu einem differenzierten Erinnern. Mit vermittelnden Argumentationen verweist das Kunstprojekt auf das Grundprinzip einer demokratischen Kunstauffassung.

Richard v. Gigantikow

Beteiligte Künstler: Anthony Beilby (AUS), David Campesino (E), Sophie Cau (F), Richard von Gigantikow, Roland Gorlsleben, Martin Hoffmann, Holger John, Klaus Liebscher, Manuel Lütgenhorst, Reiner Müller, Olaf und Simone Spillner, Katrin Süss, Pomona Zipser

Ausstellungsort:  Lügenmuseum, Gasthof Serkowitz
Ausstellungsdauer:  12. 09. – 29. 12. 2015

Gefördert und Unterstützt durch:

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