Interieur Underground

Neuer Raum in der Dauerausstellung Lügenmuseum
Eröffnung 9. Dezember 18.00 Uhr
Hartmut Dorschner — sax, Teresa Ende, Katharina Lenski, Thomas Gerlach, Gunhild Kreuzer, Ulli Sachse und Reinhard Zabka

– Die Kunst der DDR in Museen wird derzeit in den Medien heftig diskutiert.
– Im Albertinum wurde DDR Kunst abgehängt und führte zu einem Sturm der Entrüstung.
– DDR Kunstausstellung im Museum Barberini Potsdam erzielte Besucherrekorde. Diese Ausstellung wäre vor 30 Jahren sensationell gewesen.
Gegenstimmen. Kunst in DDR 1976-1989, im Martin-Gropius-Bau Berlin 2016 zeigte Kunstwerke als Kunstwerke, nicht als Zeitdokumente.
– Ausgegrenzte Künstler, die Avantgarde der friedlichen Revolution, sind in den Bundesdeutschen Museen unzureichend abgebildet.

Künstler der Gegenbewegung und der Subkultur der DDR lehnten dass Sichfügen etablierter Künstler in die gesellschaftlichen Formen ab. Ihre Taktlosigkeit ist ein in der Kunst äußerst schöpferischer Faktor. Dahinter steht die Haltung, dass Künstler, die sich vor dem Ungehörigen, der Geschmacklosigkeit und dem Skandal fürchten, nicht viel wert sind. So greift der Underground als Avantgarde die etablierte Kunst öffentlich an und spricht dieser die künstlerische Qualität ab. Aus dieser Perspektive gleichen die Bestände an staatstragender Kunst der DDR in den ostdeutschen Museen eher einer Bad Bank (eine Bank für schlechte Verpflichtungen) mit faulen Krediten.

Die ausgegrenzten Künstler der DDR hatten kaum Ausstellungsmöglichkeiten. Deshalb schenkten sie sich zu Geburtstagen und jeglichen Anlässen ihre unverkäufliche Kunst. Es entstanden in den Ateliers beachtliche Kunstsammlungen. Interieur Underground, ein neuer Ausstellungsraum der Dauerausstellung, beinhaltet solche Sammlungen. Der Eintritt erfolgt durch eine schmale Pforte hinter einem Bücherregal in ein konspiratives Hinterzimmer. Die Poesie des Untergrunds, die unkonventionellen Ideen der Demokratiebewegung, der Boheme und Subkultur in Ostdeutschland veranschaulichen die Macht der Phantasie im Angesicht der Zensur.

Katalog zur Ausstellung mit 89 Geschichten

Man sieht dem maroden Gasthof Serkowitz am Rand von Dresden nicht an, dass sich darin eines der phantastischsten Museen des deutschsprachigen Raumes befindet, das Lügenmuseum. Darin verweist der poetische Lügner auf das Wahre, dies gehört zu seiner Raffinesse. Es präsentiert ehemals zensierte Objekte und Installationen der DDR und Maschinen zur Belustigung, anarchische Apparate im ironischen Leerlauf.

Zum Ausstellungsraum gibt es aktuellen Künstlerplakate und einen Katalog mit 89 Geschichten: Künstler der DDR erzählen an Hand von Alltagsdingen über Ausgrenzung und Verfolgung. Die Ausstellung wird gefördert durch die Bundesstiftung Aufarbeitung und den Sächsischer Landesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes.

Auf der Spuren nach Erinnerungen. Foto: André Wirsig

Presse/Pressemitteilung

Künstlerplakate

Ausstellungshintergrund

Katalog: Layout Juliane Vowinckel, Textbearbeitung u. Lektorat Juliane Vowinckel, Gabriele Stötzer, Uta Hünniger, Gisela Streufert, Thomas Gerlach
Ausstellungsgestaltung: Uta Hünniger, Frank Herrmann, Justus Ehras, Reinhard Zabka
Öffentlichkeitsarbeit: Lilli Vostry
Künstlerische Leitung: Reinhard Zabka
Ort: Lügenmuseum, Kötzschenbrodaer Str. 39, 01445 Radebeul
Förderung: Bundesstiftung Aufarbeitung und der Sächsische Landesbeauftragte für Stasiunterlagen
Träger: Kunst der Lüge e. V.