Faszination Lügenmuseum

»Mach aus Deiner persönlichen Scheiße öffentliches Gold«, diese Motte von Georg Tabori scheint auch für Richard von Gigantikow mit seinem Lügenmuseum eine Leitplanke zu sein.

Untersuchungen der University of London konnten verblüffende Beweise darüber erbringen, wie Emotionen den Entscheidungsprozess beherrschen. Der Londoner Forscher Benedetto de Martino erkannte in seinen Untersuchungen, dass beim »Framing-Effekt« unsere Entscheidungen stark davon abhängen, wie uns etwas präsentiert wird. Die gleiche Botschaft kann in unterschiedlicher Verpackung unterschiedliche Wirkungen hervorrufen. Dieser »Framing-Effekt« widerspricht allen ökonomischen Vorstellungen menschlicher Rationalität.

Porträt von Reinhard Zabka hinter dem Objekt »Scherben des Serkowitzer Wirtes«
(c) Foto: Jan Oelker , 2014

Dies nutzt der Künstler Richard von Gigantikow in seinem künstlerischen Schaffen. Er liegt hinterm Busch im Hinterhalt und lauert auf alternative Fakten. Bei der Erkundung seiner Werke findet sich der Betrachter oft in einer Welt zwischen Traum und Alptraum wieder. Diesmal im Streit mit der Sächsische Landesstelle für Museumswesen. Das Lügenmuseum wurde abgelehnt, als verzerrte Linse einer historisch aufbereiteten Kulturgeschichte der Lügen und klagt nun gegen den Freistaat. Oliver Rump, Professor für Museumsmanagement von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, kann die Entscheidung der sächsischen Landesstelle nicht nach vollziehen. Nach Meinung des Professors ist das Lügenmuseum ganz klar ein Museum. Mehr noch: »Richard von Gigantikow ist ganz dicht dran am Ursprung der heutigen Museen.“ Denn er habe eine Art Wunderkammer geschaffen, die an ein Kuriositätenkabinett erinnert, welche die ersten Museumsformen überhaupt waren.

Ab jetzt gibt es keine Lügen mehr, es gibt nur noch Fake News. So verhilft uns das Lügenmuseum zu dem Lachen, das wir brauchen, um den Wahnsinn dieser Zeit auszuhalten. Es eignet sich als Familienausflug, als Geburtstagseinlage, zum durchsortieren der Gehirnwindungen und als künstlerischer Waschsalon. Und alle Besucher sind eingeladen, sich selbst ein Bild von der Lüge – Verzeihung: von der Lage – zu machen.

Reinhard Zabka

PRESSESPIEGEL:
Ein Museum, das kein Museum sein darf
Hendrik Lasch, neues deutschland, 24. Februar 2018

Radebeuler Museum: Kein Museum!

André Schramm, WochenKurier, 7. Februar 2018

Lügenmuseum finanziell in Bedrängnis
Nina Schirmer, sz-online.de, 8. Februar 2018

Die Lüge im Dienste der Wahrheit
yesterdaymorning, steemit.com, 2. Februar 2018

Lügenmuseum wird nicht als Museum anerkannt
Nina Schimer, Sächsische Zeitung, 1. Februar 2018