Kein Katzenmuseum

Im Rechtsstreit Lügenmuseum gegen Freistaat Sachsen meldet sich Sixtina von Güterfelde, die amtierende Direktorin zu Wort.

Ruhe ist wichtiger, als ständig die Geschwindigkeit zu erhöhen… Wer dieses Gefühl auch kennt, aber selten die richtige Begründung für einen abgebremsten Lebensstil parat hat, bekommt im Lügenmuseum eine Lektion samt tieferer Einsicht.

Als sich das Lügenmuseum vor mehr als 20 Jahren beim Museumsverband Brandenburg um Mitgliedschaft bewarb, da löste das Schreiben der amtierende Direktorin Emma von Hohenbüssow unerwartetes Gelächter aus. Ein Podiumsredner wies darauf hin, dass es sich bei Emma von Hohenbüssow um das berühmte Huhn aus dem Lügenmuseum handelte. Die Mitgliedervollversammlung nahm es auf, wünschte aber, eine menschliche Vertreter zu benennen, das war seinerzeit Reinhard Zabka.

Derzeit ist Sixtina von Güterfelde amtierende Direktorin. Sie begleitete schon den Umzug des Lügenmuseums nach Sachsen mit einiger Skepsis, ob es auch freundlich aufgenommen würde. Leider sollte sie Recht behalten, denn sie ist jetzt in einen Rechtsstreit mit dem Freistaat Sachsen verwickelt.

Dass Sixtina von Güterfelde sich in dem elitär verstrickten Kunstbegriff hoffnungslos verheddert, bedeutet durchaus nicht, dass es sich um eine Einrichtung handelt, in der ein Katzenliebhaber und seine Frau alles zusammengetragen haben, was mit Katzen zu tun haben könnte: Tassen, Teppiche und Vasen mit Katzenmotiven, gestrickte Katzen, Katzen aus Holz, Spieluhren mit Katzen und über 1000 Katzen-Porzellanfiguren – das alles gibt es im Lügenmuseum nicht. Es handelt sich auch nicht um eine Kulturgeschichte der Katzen, schließlich war die erste Direktorin ein Huhn. Vielmehr gelingt es durch einen Kunstgriff die prachtvolle Scheinheiligkeit des 21. Jahrhunderts, die Kunstwelt, die sich gegenseitig ihre Werte bestätigt, die Inszenierungen der Bedeutsamkeit der kreativen Klasse, quasi das ganze illusorische Hin und Her durch die Augen einer Katze zu betrachten.

Museum oder nicht – Im Rechtsstreit Lügenmuseum mit dem Freistaat Sachsen studiert die amtierende Direktorin Sixtina von Güterfelde ganz entspannt die Gerichtsakten und beißt in den Bügel vom Schließmechanismus eines Aktenordners.

Richard von Gigantikow