Malen ist Prozess. Die Herangehensweisen, Bilder zu schaffen, sind verschieden. Ich empfinde eine starke Affinität zur improvisierten Musik, zu Evan Parker, Peter Kowald, Hertmut Dorschner. Sie sind Komponisten, die mit Klängen Bilder „malen“. Und mit Farben komponiert der Maler Linien und Flächen, die sich zum Bildverdichten. Er verzichtet auf Attribute und erzählerische Momente, er vertraut auf die Essenz der Farbe. Eigen ist diesem Prozess Improvisation: Intuition, Spontanität, Rhythmus und Körpersprache; beispielhaft dafür stehen Pollock, Thieler, Schumacher. Es geht hier nicht um Abbildung, es ist Écriture automatique, wie sie sich auch im Werk von Wols und Henri Michaux manifestiert; es ist ein Prozess des Entstehens, wie er im Butoh-Tanz sichtbar wird. Alles fließt. Malerei ist eine tiefempfundene kreative Äußerung menschlichen Seins.


Aktions-Painting, Klaus Liebscher bei WuKaMenta #neumarkt 2016. Bilder: André Wirsig