LABYSTAN – ein Pop up Country
29. September bis 1. Oktober 2017
Auf den Elbwiesen, Kötzschenbroda

So wie sich manchmal auf dem Computerbildschirm ein Pop up Fenster öffnet, so erscheint unvorhersehbar LABYSTAN an einem konkreten Ort. Sie haben Glück, gerade beim Herbst- & Weinfest mit dem internationalen Wandertheaterfestival in Radebeul kann man es betreten.

Mit einem Team von Künstlern konstruiert Richard von Gigantikow auf den Elbwiesen von Kötzschenbroda einen Skulpturengarten, der als Labyrinth zu begehen ist. 2017 heißt es LABYSTAN, ein Pop up Land, eine Mikronation, ein Fantasieland. Tausende wandelnde Besucher können das ferne LABYSTAN erleben, denn es ist ganz nah. Zwei Minuten, schon erhalten die Besucher die Einbürgerungsurkunde und sind Labystaner. Da die Menschen eher Schwarmwesen sind, die sich atmosphärisch orientieren, freuen sie sich über neue Gesetze, Verfassung, Leitkultur, Schlachrufe, und Manifeste.

Nachdem die Besucher ihre Einbürgerungsurkunde ausgefüllt haben betreten sie als eigenständig handelnde und freiheitsliebende Bürger eine Spielwiese für demokratisches Bewusstsein. Sie können Präsident oder Botschafter werden, später dann eigene Botschaften und Vertretungen gründen, Flaggen, Hymnen, Urkunden entwerfen und Reisen organisieren. Es gibt eine Rednertribühne, eine Kanzel und eine Reparaturwerkstatt Demokratie. Danach werden sie eingeladen als aktiver Bürger in einer Netzcommunity mitzuwirken. LABYSTAN belebt den Gemeinsinn, bietet eine kollektive Atmosphäre, um sich positiv zu besinnen.

LABYSTAN Leitkultur:
1. slalom suleika!
2. Leitkultur ist Leiden pur!
3. hadschihad dschumblad!
4. Es gibt keine Lösung, aber Probleme sind wundervoll!
5. Gute Absichten aller Ränder, bereinigt euch!
6. Die Absurdität ist die absolute Obsoletion des Lebens!
7. Das Banale braucht man nicht zu schälen!
8. Wir sind nicht Burka: wir sind Papscht!!
9. Wie wir heute feiern, werden wir morgen ausschlafen!
10. Unkraut vergibt nicht!

Richard v. Gigantikow

Ihr glaubt nie, was mit dem Labyrinth heute passiert Von Rita Seyfert. 01.10.2017
Neue Staatsbürgerschaft, bitte SZ-online, 27.9.2017
Labystan: Einbürgerung in zwei Minuten Von André Schramm. Wochen Kurier, 13.07.2017

Beitragsfoto: André Wirsig

Erfinder und künstlerischer Leiter von WuKaMenta 2016, 2017 und 2018.
Bereitet sich gerade auf die Schaubudensommer in Dresden mit dem vierten Akt von WuKaMenta 2018.

Museumsführer vom Lügenmuseum und künstlerischer Leiter von jährlichen Skulpturengarten in Radebeul an der Elbe.


Reinhard Zabka bei WuKaMenta #neumarkt 2017. Bilder: André Wirsig

Beitragsbild: André Wirsig

Zum jährlichen Herbst- und Weinfest in Radebeul kann man auf den Elbwiesen durch das wundersame Skulpturenlabyrinth wandeln und fantasievolle Bilderwelten erkunden.

Das Labyrinth aus Paletten und Abfallholz bildet eine temporäre Ausstellungsarchitektur, ein raffinierter Irrgarten, in dem sich die Zeit aufzulösen scheint. Richard von Gigantikow baut wieder mit seinem Team einen Skulpturengarten und wählt dazu den Kniff eines Museums ohne Dach. Rings umher entsteht ein Garten von verschwenderischer Fantasie, dessen labyrinthischer Zauber den Gehenden in Träumen und beschaulicher Betrachtung versinken lässt. Die Arbeitsweise scheint eher dem Theater entnommen, den freien Projekträumen, oder den Off-Spaces. Sie fangen einfach an zu bauen und lassen ihr labyMania fliegen, frech, bilderstürmerisch und frei. Es handelt sich dabei um eine ganz eigene Strategie der Präsentation von Gegenwartskunst im öffentlichen Raum. Wo, wenn nicht hier am Hundetanzplatz hinterm Deich. Immer wieder: Jetzt oder nie.

Als Symbol vom verworrenen Pfad des Lebens gehört das Labyrinth zu den ältesten Kulturgütern der Menschheit und ist angesichts einer ebenso komplexen wie undurchschaubaren Welt von hoher Aktualität. Ein Labyrinth zu begehen heißt: verstehen und nicht erklären, heißt einweihen und nicht belehren, heißt Mythos und Initiation.

Das feurige Finale löst alle Mühen auf.

Labymania 2016

jubiLaby ° 2015

Fotos: André Wirsig

labyLove ° 2014

Fotos: André Wirsig

labyParadi ° 2013

Fotos: André Wirsig

labyFari ° 2012

Fotos: André Wirsig, Foto 1, 3, 6, 7, 9: Olaf Spillner

labyLaMancha ° 2011

Fotos: André Wirsig

Beitragsfoto: André Wirsig