Das U144 ist ein kleines, aber subversives Fragezeichen unter den monumentalen Größenordnungen der Berliner Museumslandschaft.
Das Untergrundmuseum U144 ist ein Projekt des Ost-Berliner Künstler Paares Rainer Görß und Ania Rudolph. Es ist ein historischer Ort an dem sich Gegenwarts-Kunst und Geschichte begegnen. Das U144 wurde ab 1990 aufgebaut und seit 1995 in der Linienstrasse 144 weiterentwickelt. Kunst und Netzwerk Aktivitäten erweitern das Themenspektrum.

Im Souterrain des Bürgerhauses von 1794 verschmelzen Industriekultur, Stadt- und Gesellschaftsgeschichte mit den Mitteln der Kunst. Das Untergrundmuseum U144 ist seit 1995 ein Ort, an dem wir mit dem Publikum, aus einer nicht einfach zu fassenden Gegenwart heraus, die Erfahrungen der Geschichte auf Zukünftiges projizieren. Das Untergrundmuseum ist eine begehbare Suchmaschine, eine Kunst- und Wunderkammer, die von 1860 bis dato gesellschaftskritische Industriekultur sinnlich zu bedenken gibt.

Untergrundmuseum U144

Foto: Rainer Görß

Rainer Görß
geb. 1960 Neustrelitz-Berlin
getauft, aufgezogen, alphabetisiert, belehrt, eingezogen
1982 Studien der Plastik, des Bühnenbildes, der Malerei, der Grafik an den Kunst-HS Berlin und Dresden
lebt und arbeitet in Berlin

Das Otis Laubert Museum (OLM) wurde mit der Idee geschaffen, das geistliche Erbe und die Arbeit des Künstler, Otis Laubert systematisch und dauerhaft zu erhalten. Das Otis-Laubert-Museum, als Experimentierlaboratorium, das im 21. Jahrhundert auftaucht, zielt auf wechselnde Ausstellungen (etwa 4 Mal im Jahr) und ortsspezifische Implementierungen, die Partizipationsstrategie, Workshops, Ausstellungen von in- und ausländischen Autoren und parallele Programme (Vorträge, Workshops). Es möchte eine Plattform für Begegnungen und Kommunikation von professionellem und breiteren Publikum mit dem Thema – gefundene Objekte – schaffen.

Otis Laubert, 2009 Foto: Reinhard Zabka

Otis Laubert (geb. 1946)
1961-1965 studiete er an der Mittleren Kunstgewerbeschule in Bratislava. Nach dem Absolvieren des Studiums war er in mehreren Berufen tätig. Otis Laubert widmet sich Themenbereichen wie Textil, Fotografie, Fahnen, Karten und der Interpretation von Raumobjekten.

Beitragsfoto: André Wirsig

 

Das D.I.V.O Institut ist ein lebendiges Museum, in dem Kunst gezeigt, erstellt und über sie diskutiert wird.

Das Institut möchte die Langeweile und die Desorientierung überwinden, die in der europäischen zeitgenössischen Kunst und in den Provinzstädten herrscht, indem sie eine lebendige und aufregende Alternative bietet.

Das Institut bietet einen Rahmen für regelmäßige künstlerische Ausstellungen, Veranstaltungen, Lesungen, Konzerte, Performances und Diskussionen und schafft ein starkes lokales und internationales Netzwerk.

Die kleine Stadt Kolín bringt internationale zeitgenössische Kunst in die Prager Peripherie und hilft, den europäischen Dialog zu fördern.

Fotos: Mark Divo

Mark Divo (geb. 1966)
ist ein aus Luxemburg stammender Konzeptkünstler und Kurator der Dada-Tradition, der innovative Konzepte mit unbewohnten verlassenen Räumen entwickelt hat. Divo stand hinter der lebendigsten und einflussreichsten Besetzerszene der vergangenen zwei Jahrzehnte in der Schweiz und anderswo. Gründer der ersten Gruppe hinter Berlins legendärem alternativen Kunsthaus Tacheles in den frühen 1990er Jahren. Mark Divo verbreitet die Idee der solidarischen und nichtkommerziellen Kultur für jedermann.

 

„Das erste Ding, der erste Gegenstand, der so etwas wie das erste Exponat eines zukünftigen, eines von mir damals noch nicht erahnten, Museums war, ist ein Fernrohr.
In der nun kommenden Zeit fanden immer mehr Dinge zu mir, ein Horn eines Auerochse, auf diesem Auerochsenhorn bliesen die Steinzeitmenschen zur Jagd, Münzen, mit denen in fremden Ländern bezahlt werden konnte, Glasperlen, die nicht nach Afrika gebracht wurden, all die Dinge fanden in einem Schuhkarton Platz und als dieser zu klein wurde, wanderten die Dinge in eine Kiste, eine Schatztruhe.
Heute befinden sich all diese gefundenen Dinge in dem Depot des Museums der Unerhörten Dinge, archiviert, gewogen, nummeriert, vermessen, fotografiert und nach ihrem Gewicht sortiert.“
Roland Albrecht

Fotos: Roland Albrecht

Roland Albrecht
wurde 1950 in Memmingen im Allgäu (Süddeutschland) geboren. Lebt in Berlin. Er arbeitete in verschiedensten medizinischen Berufen. Er ist Fotograf, Künstler und Schriftsteller mit diversen Veröffentlichungen, Ausstellungen, Installationen, meist mit dem Schwerpunkt Text und Objekt. Er arbeitet mit Collagen, Kurzhörspiel, Kurzfilmen, Soundcapes und audiovisuellen Porträts. Er gründete 1998 und betreibt seither das Museum der Unerhörten Dinge.
2013 Literatur Stipendium Künstlerhof Schreyahn Wendland
2003 Literatur Stipendium Wiepersdorf
2001 Arbeitsstipendium Bildende Kunst Berlin


Das Amberger Luftmuseum  verdankt sich einer Initiative des Amberger Künstlers Wilhelm Koch. Es befindet sich im ältesten Gebäude Ambergs aus dem 14. Jahrhundert am Eichenforstplatz unmittelbar am Fluss Vils.
Im Erdgeschoss werden Wechselausstellungen zu Luftthemen der Kunst, des Designs, der Architektur und der Technik gezeigt.
In den beiden Obergeschossen thematisiert das Museum die drei Themen Lufterfahrungen, Lufttechnologien und Luftvariationen anhand von zwei Dutzend Skulpturen des Museumsgründers und Luftbildhauers Wilhelm Koch.

Wilhelm Koch, Fotos: Erich Spahn

Wilhelm Koch
1960 Geboren in Etsdorf/Opf.
1981-86 Studium Kommunikations Design in Würzburg
1986-89 Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München
1989-91 Studium an der Städelschule Frankfurt a. M., Meisterschüler
seit 1984 Ausstellungen, vorwiegend Installationen, Pneumatische Gummiarbeiten, Pneumatische Objekte, Luftmaschinen, Pneumatic Rubber Orchestra, Praktische Arbeiten, Graphikserien, Videoarbeiten, Kunst im öffentlichen Raum, Architekturprojekte
2002 Asphaltkapelle, Etsdorf
2006 Luftmuseum Amberg
2007 „Asphaltsee“ – Rainer Werner Fassbinder Platz München

Beitragsfoto: Marcus Rebmann


In den Sommerferien gibt es wieder eine Aktion im Lügenmuseum: vom 26.6.–6.8. ist es täglich von 13 – 18 Uhr geöffnet. Das Publikum hat längst entschieden, sie lieben es: das Lügenmuseum im Gasthof Serkowitz in Radebeul — ein Freiflugschein für die Phantasie. Als Familienausflug ist es sehr beliebt und wenn die Großeltern mit ihren Enkelin forschend durch das Lügenmuseum wandeln, dann…

Der Surrealismus feierte 1936 die Auferstehung des Wunderbaren und rehabilitierte die geschmähte Idee der Wunderkammer. In der Wunderkammer Lügenmuseums werden den staunenden Besuchern Dinge vor Augen geführt, die es gar nicht gibt. Ein Loch aus der Zauberflöte von Mozart verweist auf den Kult der Osiris, das Hörbild der Kyritzer Knatter verortet lokale Legenden, die Silberbüchse von Winnetou bezieht sich auf den phantastischen Erzähler, das Ohr von Vincent van Gogh ironisiert künstlerische Mythenbildung und der Originalton vom Untergang der Titanic ist einfach großes Kino. Ironische Spielereien führen an die Klippen des Nichts. Alle Dinge auf den Tisch, bis er bricht.
Das Lügenmuseum ist ein inspirierendes Spielfeld, argwöhnisch gegenüber der Kunst, gegen die Logik der Universalien, ein nicht unterscheidendes Museum. Eine Sammlung aus dem Untergrund der DDR im Dialog mit zeitgenössischen, ethnologischen, kinetischen Objekten, Weltkunst, Klang, Fake, Obart, voller Paradoxien, offensichtlichen Widersprüchen, um gewohnte Denkmuster aufzubrechen. Es wendet sich gegen den akademisch gedrechselten Künstler, entzieht sich dem Kitsch durch das Obszöne. Es stellt sich gegen eine „…grauenerregende artifizielle Harmlosigkeit und Biederkeit“ und bedient sich radikal des Absurden und der Groteske. Es kann Erschrecken und Abwehr beim Zuschauer hervorrufen, aber auch Heiterkeit und Leichtigkeit im Umgang mit der Realität.

Achtung:
Ab Montag 10.07.2017 ist ein Stück der Kötzschenbrodaer Straße bis Ende Jahres gesperrt. Für den Verkehr gibt es Umleitungen. Wer in Richtung Dresden unterwegs ist, wird gar nicht mehr durch Altserkowitz geleitet. Schon am Kaufland sollen die Fahrer auf die Weintraubenstraße abbiegen und dann weiter über die Meißner Straße fahren. Verkehr aus Richtung Dresden muss kurz hinter der Aral-Tankstelle in Dresden-Kaditz in die Spitzhausstraße abbiegen. Die Umleitung führt weiter über die Serkowitzer Straße zum Lügenmuseum.

Lügenmuseum, Kötzschenbrodaer Strasse 39, 10445 Radebeul
Richard v. Gigantikow
Handy 0176 – 99 02 56 52
www.luegenmuseum.de

Beitragsfoto: André Wirsig

Osteraktion im Lügenmuseum zu Radebeul: Ein Freiflugschein für die Phantasie. Das legendäre Museum der Dinge, die es nicht gibt, ist in den Osterferien wieder täglich 13-18 Uhr geöffnet.

Spricht man dann die Wahrheit, wenn man im Lügenmuseum lügt?
Ist nicht jeder ein wandelndes Lügenmuseum?
Lügenmuseum, das ist ein höchst kompliziertes Thema, und es erhält quasi immer wieder von aussen Zuwachs.

Es lügt mich, es lügt mich nicht. Das Publikum hat längst entschieden.
Sie lieben es: das Lügenmuseum im Gasthof Serkowitz in Radebeul.
Hier sein oder nicht sein, ist keine Frage mehr.

Lügenmuseum, Kötzschenbrodaer Strasse 39, 10445 Radebeul
Richard v. Gigantikow
Handy 0176 – 99 02 56 52
www.luegenmuseum.de info@luegenmuseum.de

„Ich habe mir alles selbst erfunden, eine Kindheit, eine Persönlichkeit, Sehnsüchte, Träume, Erinnerungen, um sie erzählen zu können, die Lüge ist immer interessanter als die Wahrheit.“

Nach diesem Motto von Federico Fellini wurde das Lügenmuseum 1990 als eine kulturelle Überlebensstrategie im ländlichen Raum eröffnet. Der Gründer ließ sich vor dem Ungehörigen, der Geschmacklosigkeit und dem Skandal leiten, denn der Künstler, der sich davor fürchtet, sei nicht viel wert. Mit einem eigenen Museum entzog sich der Künstler den Mechanismen des Kunstmarktes und behielt die Deutungshohheit über seine eigene Geschichte. Heute kann diese ehemals verbotene Kunst, zensierte Objekte und Installationen im Lügenmuseum erlebt werden. Die virtuosen „Lügen“ dieser kunstvollen Wunderkammern sind dabei immer als solche zu erkennen.

Wie Wolken mit der Empfindung der Freiheit, ziehen all` die Ideen und Objekte durch die Geräumigkeit des Lügenmuseums. Das Lügenmuseum beflügelt die Phantasie, ein Ausflugsziel für die ganze Familie.

Beitragsfoto: André Wirsig

Zur Ausstellung Interieur Underground plant das Lügenmuseum eine Begleitdokumentation. Darin werden 99 Geschichten von randständigen, ausgegrenzten Künstlern und der Subkultur der DDR erzählt. Sie machen auf die besondere kunst- und kulturgeschichtliche Bedeutung und auf die kreativen Potenziale der staatsfernen Kunst aufmerksam.

Einladung zur Teilnahme

Dafür brauchen wir Eure Erinnerungen. Geplant ist je eine Seite Text (1800 Zeichen inkl. Leerzeichen) und eine Abbildung konkreter Objekte wie Fotos, Vorladungen o. ä. aus Eurem Archiv. Eine kurze Vita (500 Zeichen) im Anhang soll die Brüche zeigen und andererseits die personelle Kontinuität. Die Texte werden von einem Lektor betreut. Die beteiligten KünstlerInnen erhalten Belegexemplare. Wenn möglich, wird ein kleines Honorar gezahlt.

Termin: 25. Mai, Zeitplan noch offen.

Wir bitten Euch um Eure Mitarbeit und Unterstützung

Reinhard Zabka

Die Rauminszenierung

Die Begleitdokumentation steht im Zusammenhang mit der neuen Rauminszenierung Interieur Underground im Lügenmuseum. Sie zeigt Kunstwerke ausgegrenzter, randständiger Künstler der DDR und gibt Einsichten in ihre ästhetischen Ausdrucksformen. Da ihnen die offiziellen Ausstellungen verschlossen waren, schenkten und tauschten viele Künstler ihre Bilder, Grafiken und Gedichte zu allen möglichen Anlässen. An den Wänden der Wohnungen und Ateliers entstanden beachtliche Kunstsammlungen. Diese Atmosphäre nehmen wir in der Rauminszenierung auf: Der Zugang erfolgt durch einen Schrank in ein verstecktes Hinterzimmer, das an ein Hinterhofatelier erinnert.

Die Begleitdokumentation

Da bildende Künstler eher visuell als mit Worten arbeiten, sind ihre Geschichten bisher nicht erzählt. Wir wollen diesen Schatz heben, die Geschichten bündeln und den Künstlern eine Stimme geben. Erzählt über Eure Brüche und Konflikte und wie Ihr es geschafft habt, Euch in der ideologisierten Gesellschaft nicht von Perspektivlosigkeit und Verzweiflung zermürben zu lassen.
Das Material der Dokumentation erinnert an die Samisdat-Publikationen der DDR: Zeitungspapier, schwarz/weiß-Druck, einfache Heftung.

Die Wanderausstellung

99 Künstler und Künstlerinnen erzählen 99 Geschichten, Abbildungen zeigen 99 Objekte: Die Dokumentation bildet den Grundstock für ein neues Kunstwerk. Angelehnt an das Prinzip Mail Art entsteht ein künstlerisches Gemeinschaftswerk, das wächst und in seinen verschiedenen Stadien als Wanderausstellung gezeigt wird: nie vollendet, immer einen Schritt weiter als gezeigt wird, immer bereits veraltet. So können wir spitzbübisch wie in alten Zeiten dem etablierten Kunstbetrieb eine Nase drehen.

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Interieur Underground ist der Titel einer neuen Rauminszenierung im Lügenmuseum Radebeul. Sie zeigt Kunstwerke randständiger Künstlern und der Subkultur der DDR. Dieser Raum und die dazugehörige Publikation vermittelt Einsichten in die ästhetischen Ausdrucksformen subkultureller Künstler bis zu den bilderstürmerischen Installationen der friedlichen Revolution in Ostdeutschland von den 1968-Jahren bis 1990.

Der Underground (englisch, wörtlich: Untergrund) in der Kunst, in Ost wie in West, ist eine Szene, die als Gegenkultur nicht auf die Masse ausgerichtet ist, eigene Codes und eigene Sprachen entwickelt und unabhängig produziert. Ihre gesellschaftliche Taktlosigkeit ist ein in der Kunst äußerst schöpferischer Faktor. Dahinter steht die Haltung, dass der Künstler, der sich vor dem Ungehörigen, der Geschmacklosigkeit und dem Skandal fürchtet, nicht viel wert ist. Dass Sichfügen etablierter Künstler in gesellschaftliche Formen ist nicht gut für den, der Formen schafft. So greift der Undergrund als Avantgarde die etablierte Kunst öffentlich an und sprechen dieser die künstlerische Qualität ab.

Räumlicher Rahmen

Der Eintritt erfolgt im vierten Ausstellungsraum des Lügenmuseums durch einen Schrank und eine schmale Pforte in ein verstecktes Hinterzimmer. Dies gibt dem Raum eine konspirative Atmosphäre. Der ebenerdige Raum von 28 m² hat zwei Fenster, man schaut auf einen Fliederstrauch und einen Holunder vor der fensterlosen Wand gegenüber. Tief unten plätschert der Lößnitzbach. Der Besucher kann die Ausstellung besichtigen, in der Bibliothek stöbern und sich hinsetzen. Die Atmosphäre entspricht einem armen, gemütlichen Hinterhofatelier aus dem Prenzlauer Berg oder in Dresden Neustadt. Die Ausstellung zeigt Grafiken, Einladungen, Mailart, Objekte, Fotos, Bücherwände, Atelier- und Sperrmüllinventar. Dabei werden beispielhafte Kunstwerke aus den Sammlungen von Peter Graf, Klaus Liebscher, Pit Müller und Wilfriede und Eckehard Maaß hinzugezogen. Damit sind drei künstlerische Kreise vertreten: Erfurt und Prenzlauer Berg, Literatenszene um Maaß und der Dresdner Freundeskreis von Peter Graf. Der Raum Interior Undergrund ist Bestandteil des Rundganges durch die Dauerausstellung des Lügenmuseums.

Situation vor 89

Die Kulturpolitik der DDR stand unter dem Diktat der SED, welche die freie Entwicklung der Kunst verhinderte. Die Bilder des sozialistischen Realismus täuschten über gesellschaftliche Missstände hinweg, wirkten dennoch ideologiebildend. Mit ihren falschen Versprechen wurden sie als ungeheurer Betrug empfunden. Sie waren nicht für eine bloße Betrachtung geschaffen. Auch wenn man versuchte, sie weg zusehen, schlichen sie sich in die Gedanken und wirkten doch dadurch, das man sich von ihnen beobachtet fühlte. Im System staatlich gelenkter Kunstproduktion arbeiteten einige  Künstler mit minimalen Irritationen, die mitunter existenzbedrohend waren. Andere entwickelten wilde oder eigene Kunstformen. Ihr Potential konnten sie unter den gegebenen Bedingungen nicht entfalten (Schließlich konnte man die Bilder nicht so einfach wie ein Manuskript durch die Grenzkontrollen schmuggeln), so schenkten und tauschten sie ihre Bilder, Grafiken und Gedichte zu allen möglichen Anlässen. An den Wände der Wohnungen und Ateliers entstanden so beachtliche private Kunstsammlungen, die heute noch z.B. bei Peter Graf in Radebeul, Eckehard Maaß in Berlin und im Lügenmuseum zu sehen sind. Dies ist der Ausgangspunkt der geplanten Rauminszenierung.

Viele der damalige widerständigen Künstler wurden geprägt von der Beat Generation mit ihren Hauptprotagonisten William S. Burroughs, Allen Ginsberg und Jack Kerouac. Vor allem durch die Musik über das Radio verbreitete sich ein befreiendes Lebensgefühl auch in der DDR, welches dazu ermutigte, gegen Obrigkeiten aufzubegehren, auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen. Die von der Beat Generation beeinflusste Hippie-Bewegung, mit der für sie charakteristischen psychedelischen Kultur, begann ein politisches und gesellschaftskritisches Bewusstsein zu entwickeln. In ihrer engen Verflechtung mit der Pop und Trivialkultur ist in diesem Zusammenhang die psychedelische Kunst mit ihren vielfältigen Environments und Plakatgestaltungen ein kunsthistorisch immer noch vernachlässigtes Feld.

Der Ausdruck der Opposition im Osten war vor Allem geprägt durch die Atmosphäre der Offenheit und damit blieb diese Bewegung wesentlich länger in der Phase des Hinterfragens, des offenen Suchens ohne gewaltsame Konfrontation mit dem diktatorischen Staat. Die totale Ablehnung, das zeigt sich nicht in den Bildern, die manchmal nur von der kleinen Abweichung lebten. Die heutige Situationskomik einer Geschichte eines Bildes zeigt die unberechenbare Wirkung der Zensur und des Umgangs mit dieser Kunst. Ein Künstler aus Erfurt hatte zur Bezirkskunstausstellung in den 70ern ein Bild eines Affen mit einem lädierten Blumenstrauß eingereicht. Es wurde ausjuriert. Die Jury kam zu der Interpretation, das dieses Bild die Kultur in der Hand der Partei darstellte, es wurde als staatsgefährdend eingestuft. In der Bezirkskunstausstellung in Berlin am Fernsehturm wurde eine Offsetlithografie von Martin Hoffmann ausgestellt, eine Streifencollage, Raketen als Köpfe, Anzüge des Politbüros als Brust etc. Als die Kommission unter Leitung von Günter Schabowski die Reihen der Bilder ab schritt, das Haus war von Sicherheitskräften abgeschirmt, da nahm Schabowski die Grafik von der Wand und warf sie auf den Boden, so dass das Glas zersplitterte.

Die Künstler der Gegenbewegung rebellierten gegen den Systemdruck und lernten, ihr Verwundungen zu offenbaren, mit der Angst umzugehen und dem Ghetto den Rücken zu kehrten. Dafür wurden sie ausgegrenzt. Sie nutzen ihre privaten Ateliers, experimentierten, warfen einen Blick über die Mauer, verbanden neue Ideen mit alten Kulturtechniken und schufen Biotope, die als Lebensgefühl und als Kunst die Welt heute bereichern. Die Künstler entrümpelten die Innenräume der DDR-Bürger und richteten sie neu ein. Eine Kulturtechnik war, die degenerierten Machtstrukturen der Lächerlichkeit preiszugeben, bis sie schließlich stürzten. Dies wirkte ähnlich einer Gestaltungstherapie.

Situation nach 89

Die politischen Rahmenbedingungen haben sich grundlegend gewandelt, die Sehnsucht nach Freiräumen aber ist geblieben. Politische Repressalien müssen heute nicht mehr gefürchtet werden. Dafür ist die überwiegend missliche Lebenslage der Kulturschaffenden und das blinde Akzeptieren der schwierigen sozialen Situation der Künstler in der Bundesrepublik empörend. Die Kulturtechniken und die Wirkungskraft, die die Künstler in ihrer Zeit entwickelt haben, sind ein Erfahrungswissen, welches zugänglich sein sollte.

In der DDR waren es politisch instrumentalisierte Juroren, die die Werke aus dem Zusammenhang rissen und diskussionswürdige Werke ablehnten. Im westlichen Kunstmarkt herrschen die Kuratoren, Historiker und Museumsdirektoren. Mit einem eigenen Museum wollte sich Zabka diesen Mechanismen entziehen, die Deutungshohheit über seine eigene Geschichte behalten.

Die sozialistische Repräsentationskunst im öffentlichen Raum wurde nach dem Mauerfall abgeräumt, so dass sie als Reibefläche verloren ging. Diese durchaus abscheulichen Symbole, Schrifttafeln, Denkmäler und Monumentalkunst waren ja Ausdruck der Geschichte, des Glaubens ebenso wie der Erniedrigung. Das Abräumen des untergegangenen Systems erschien mir nicht erstrebenswert. Ein Friedhof dagegen, eine Beerdigungsstätte, hätte durchaus geholfen, die später herum irrenden Geister in Dresden zu bannen, die die Nachwelt nun verunsichern.

Das Lügenmuseum beschäftigt sich mit musealen Sammlungsstrategien für die Subkultur der DDR, für alternative, ausgegrenzte Künstler, auch im internationalen Vergleich. Wir erforschen, wie die Werke, Objekte und Installationen in einem veränderten gesellschaftlichen Kontext zur Wirkung, zum Erzählen gebracht werden können.

Das „abgeschlossenen Sammlungsgebiet DDR“ wurde in Retromuseen vermarktet, meist als rein historisch abgeschlossene Ansammlung. Wie im Selbstbetrug der Wandzeitungen wurde das physische, psychische und soziale Befinden der Menschen im dem damaligen System ausgespart. Die realistischen Darstellungen der Gedenkstätten nähern sich bedenklich der Ästhetik der ideologisch gefärbten Gedenkstätten der untergegangenen DDR.

Die künstlerische Wege in die Selbstbestimmung und ihre grenzüberschreitenden Ideen waren die Wegbereiter der friedlichen Revolution. Diese Geschichten haben keinen besonderen Medienwert. Bedauerlich ist, dass nun nur Regionalmuseen für diese Dissidenten ihre Räume öffneten, um sie damit endgültig in die Provinzlagen abzuschieben.

Die Ausstellungen „Diktatur und Bohem“, „Ohne uns“ bis „Abschied von Ikarus“ verließen sich darauf, dass die Bilder schon für sich selber sprechen würden. Die Kunst wurde als Dokument missbraucht, hinter denen sich die aktenschnüffelnden Kuratoren versteckten. Sie vermittelten Wissen aus zweiter Hand und zahlten kein Ausstellungshonorar. Die Ausstellungen verwandelten sie in ein Mausoleum. Die ein- oder ausgeladenen Künstler fühlten sich unangenehm angefasst oder benutzt. Sie zeigten Widerwillen bis Ekel gegenüber dieser Art Familiengrab.

Bedürfnis nach Authentizität

Die Kehrseite der Erinnerungskultur, der lebendigen Auseinandersetzung, bilden die obsessive Sammelleidenschaft, die Eskalation der Archivierung und eine Ratlosigkeit gegenüber den herein strömenden Nachlässen. Gegen die Fülle der Archive und Museen und medialen Informationen muss das Leben rückgekoppelt werden, es ist ein neuer Bedarf an authentischer Erfahrung von Geschichte entstanden.

Im Lügenmuseum beherrscht Zabka virtuos ein Repertoire von Inszenierungstechniken, als seien es „authentisch“ erhaltene Spuren eines untergegangenen politischen Systems. Die Betrachter werden herein gelockt in anheimelnde Räume voller Sammellust, die eine Begegnung mit Privatem vortäuschen, dann aber das Heimliche in sein Gegenteil, das Unheimliche übergehen lassen. Mit der Einrichtung der atemberaubenden Rauminszenierungen, mit Ruinenästhetik, Armutssammlungen und kafkaesken Situationen zwingt das Lügenmuseum den Besuchern einen Modus konzentrierter Wahrnehmung förmlich auf. Damit versucht er, die Betrachter zu motivieren, die Suche nach dem Gegenstand der Erinnerung selbst aufzunehmen.

Als Grenzgänger schuf Zabka Installationen, die selbst museal sind, sich den musealen Zusammenhängen aber dadurch widersetzen. Zabka benutzt seine eigenen Kunstwerke, Collagen, Assemblagen, Videoarbeiten und Installationen in Koffern, elektronische und mechanische Klänge, Kinetische Objekte aus vier Jahrzehnten und mischt sie mit Souvenirs, Exotika und Requisiten aus der verblichenen Lebenswelt der untergegangenen DDR, aus  dem er dann seine Inszenierungen entwickelt. Dabei kommt es ihm nicht auf das didaktische Sprechen der Dinge an, sondern darauf, dass der Stoff der Betrachtung über Bord geworfen wird. (Walter Benjamin)

So wie Ilja Kabakow und Christian Boltanski befragt Reinhard Zabka im Problemhorizont der Beziehung zwischen Museum und zeitgenössischer Kunst- anders als viele Künstler der 70 Jahre – nicht mehr vorrangig mit den Modalitäten der Ausstellungen befasst – das Museum in seiner gesellschaftlichen Funktion als Ort institutionalisierter Erinnerung. Dabei können die „Künstlermuseen“ als geschichtliche Orte der persönlichen Erinnerung mit dem musealen Präsentationen der Ordnung ihrer Sammlungen durchaus kollidieren.

Interieur Underground  

Der Raum erzählt die Geschichte  ausgegrenzter Künstlers, in einem politisch obsoleten System, wo die Bürger mit Macht umgeformt werden soll. Die Besucher können die Um- und Aufbrüche in autobiografischen Objekten, Episoden voller Energie und Verzweiflung erleben und wie es ihnen gelang zwischen Wut, Spaß und Träumen nicht gebrochen zu werden. Die Besucher erfahren etwas über die Art, wie sie mit Herausforderungen umgingen, und wie sie ihren Weg bis heute fanden. In dem Raum wird Zeitgeschichte lebendig und berührend, wie sie sonst kaum greifbar wird.

Diese Ausstellung möchte die Deutungshohheit über die eigene Geschichte zurück gewinnen und sich nicht von einem westlichen Interpretations-Diskurs bevormundet oder gar zu Künstlern der Provinz erklären lassen. Interior Undergrund macht randständige Positionen, die subkulturellen Szene in Ostdeutschland erlebbar. In der Aufarbeitungs- und Wiedergutmachungsarbeit fallen die lebendigen Künstler einfach unter den Tisch, deren Arbeit aktuell und nicht historisch orientiert sind. Über die  Erläuterung und Einsichten dieses Raumes kann das Gesamtkunstwerk Lügenmuseum auch besser vertieft werden. Die Anziehungskraft des Lügenmuseum ist geeignet, diesen Aspekt wirkungsvoll aufzuzeigen und Synergien zu erzeugen. Die Aktivisten der friedlichen Revolution konnten mit ihren Kulturtechniken und überzeugendem inneren Gewicht die Herzen der Menschen erreichen. Nach der ersten Euphorie des Mauerfalls aber waren sie auf der Verliererseite gelandet. Ihre unabhängig entwickelten Kunstformen waren unscheinbar, nicht besonders spektakulär. Ihre Hoffnung, dass diese eigene Sprache und Kultur in dem vereinten Deutschland gewürdigt und einbezogen werde, wurde enttäuscht. Heute spürt man in Ostdeutschland den Mangel einer eigenen Kultur und Identitäten.

Heute versuchen viele Museen mit dem Aktualitäts-Ansatz vom Image eines Geschichtsmuseen wegkommen. Da sich die Bewertung einer Entwicklung oder eines Ereignisses mit zeitlichem Abstand jedoch ändert, ist es wichtig sich in einer Schau zu einem tagesaktuellen Thema mit einseitigen Wertungen zurückzuhalten und keine abschließenden Ergebnisse zu präsentieren. Viele Stadtmuseen dokumentierten inzwischen immer stärker Gegenwartsbezüge, zum Beispiel das Thema Migration, Multikulturalität, aber dies gibt es nicht erst heute. In den neuen Bundesländern ist ein ähnliches Phänomen nach der Deutschen Einheit zu beobachten, als relativ kurz nach der Wende Ausstellungen mit Fotos oder den „Wir sind das Volk“-Transparenten gezeigt wurden.

Im Geschichtsunterricht ist die DDR als Lebenswelt und Unrechtsstaat nicht so leicht zu vermitteln, da persönliche Unsicherheiten und Belastungen es schwierig machen, eine Haltung einzunehmen. Der Rundgang durch das Lügenmuseum vermittelt eine spielerische Annäherung an das Thema. In dem begleitenden Katalog werden Ausstellungsobjekte mit kurzen Geschichten in Beziehung gesetzt. Dieser Katalog kann breit den Schulen zur Verfügung gestellt werden und in seiner leichten Form im Geschichtsunterricht helfen, das Thema zu vermitteln.

Katalog Skizze – 99 Objekte und 99 Texte von Künstler

Das Lügenmuseum

„Ich habe mir alles selbst erfunden, eine Kindheit, eine Persönlichkeit, Sehnsüchte, Träume, Erinnerungen, um sie erzählen zu können, die Lüge ist immer interessanter als die Wahrheit.“ Dieses Motto von Federico Fellini an der Eingangstür des Lügenmuseums zieht viele Besucher ins Lügenmuseum, die noch nie in einem Museum waren. Es ist ein Umschlagplatz für Ideen. Die Kunstprojekte stehen für unkonventionelle Vermittlung zeitgenössischer Kunst im öffentlichen Raum.

Der poetische Lügner verweist mit dem „Wahren Deutsch Historischen Lügenmuseum“ auf das Wahre, dies gehört zu seiner Raffinesse. Die Inszenierungen zeigen ehemals zensierte Objekte und Installationen und werden dadurch zu einem authentischen Ort, an dem die Hoffnung und die Verzweiflung der stellvertretend Ausgestoßenen und den Nachwachsenden vor Augen geführt wird. Die einstmals so kostbaren Eigentümlichkeiten der ausgegrenzten Kunst, die Poesie des Untergrunds, die unkonventionellen Ideen der Demokratiebewegung, der Boheme und Subkultur in Ostdeutschland demonstrierten die Macht der Phantasie im Angesicht der Zensur.

Das Lügenmuseum ist eine private Sammlung von Objektkunst und Installationen des Künstlers Reinhard Zabka und weiterer widerständiger oder ausgegrenzter Künstler. Es spannt einen Bogen von den Pamphleten, Manifesten, Grafiken, Fotos, Collagen, Assamblagen, Installationen und Enviroments aus der Zeit der DDR zur zeitgenössischen Kunst heute. Zabka entwickelte als Autodidakt in dem System der staatlich gelenkten Bildproduktion der DDR eine eigene Kunstform. Heute plädiert er gegen den Ausschluss der DDR-Subkultur aus den Museen, gegen die Geschichtsschreibung aus zweiter Hand, das Lügenmuseum ist ein Versuch, dagegen zu wirken.

Leihgabe von:

Peter Graf: Agate Böttcher, Strawalde, Peter Herrmann, RA Penk

Leihgabe oder Ankauf von Klaus Liebscher: Plakate, Baby Sommer, Uwe Kropinsky, Gumpert, Conny Bauer

Leihgabe oder Ankauf von Pit Müller: Ralph Kerbach, Pit Müller

Leihgabe von Reinhard Zabka: Manfred Butzmann, Robert Rehfeld, Martin Hoffmann, Bert Papenfuß, Horst Sagert, Hartmut Sörgel, Lutz Fleischer, Ottfried Zielke, Annemirl Bauer, Otis Laubert, Helge Paris, Conny Schleime, Albrecht Hillemann, Bernd Hiepe, Ellen Steger, Collagen, Einladungen und Mail Art.

Weitere Leihgaben und Schenkungen werden im Laufe der Vorbereitung erwartet.