»Mach aus Deiner persönlichen Scheiße öffentliches Gold«, diese Motte von Georg Tabori scheint auch für Richard von Gigantikow mit seinem Lügenmuseum eine Leitplanke zu sein.

Ferienaktion: vom 12. Februar – 23. Februar ist das Lügenmuseum täglich geöffnet

Untersuchungen der University of London konnten verblüffende Beweise darüber erbringen, wie Emotionen den Entscheidungsprozess beherrschen. Der Londoner Forscher Benedetto de Martino erkannte in seinen Untersuchungen, dass beim »Framing-Effekt« unsere Entscheidungen stark davon abhängen, wie uns etwas präsentiert wird. Die gleiche Botschaft kann in unterschiedlicher Verpackung unterschiedliche Wirkungen hervorrufen. Dieser »Framing-Effekt« widerspricht allen ökonomischen Vorstellungen menschlicher Rationalität.

Porträt von Reinhard Zabka hinter dem Objekt »Scherben des Serkowitzer Wirtes«
(c) Foto: Jan Oelker , 2014

Dies nutzt der Künstler Richard von Gigantikow in seinem künstlerischen Schaffen. Er liegt hinterm Busch im Hinterhalt und lauert auf alternative Fakten. Bei der Erkundung seiner Werke findet sich der Betrachter oft in einer Welt zwischen Traum und Alptraum wieder. Diesmal im Streit mit der Sächsische Landesstelle für Museumswesen. Das Lügenmuseum wurde abgelehnt, als verzerrte Linse einer historisch aufbereiteten Kulturgeschichte der Lügen und klagt nun gegen den Freistaat. Oliver Rump, Professor für Museumsmanagement von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, kann die Entscheidung der sächsischen Landesstelle nicht nach vollziehen. Nach Meinung des Professors ist das Lügenmuseum ganz klar ein Museum. Mehr noch: »Richard von Gigantikow ist ganz dicht dran am Ursprung der heutigen Museen.“ Denn er habe eine Art Wunderkammer geschaffen, die an ein Kuriositätenkabinett erinnert, welche die ersten Museumsformen überhaupt waren.

Ab jetzt gibt es keine Lügen mehr, es gibt nur noch Fake News. So verhilft uns das Lügenmuseum zu dem Lachen, das wir brauchen, um den Wahnsinn dieser Zeit auszuhalten. Es eignet sich als Familienausflug, als Geburtstagseinlage, zum durchsortieren der Gehirnwindungen und als künstlerischer Waschsalon. Und alle Besucher sind eingeladen, sich selbst ein Bild von der Lüge – Verzeihung: von der Lage – zu machen.

Reinhard Zabka

PRESSESPIEGEL:

Radebeuler Museum: Kein Museum!

André Schramm, WochenKurier, 7. Februar 2018

Lügenmuseum finanziell in Bedrängnis
Nina Schirmer, sz-online.de, 8. Februar 2018

Die Lüge im Dienste der Wahrheit
yesterdaymorning, steemit.com, 2. Februar 2018

Lügenmuseum wird nicht als Museum anerkannt
Nina Schimer, Sächsische Zeitung, 1. Februar 2018

Ab jetzt wird nicht mehr gelogen – es heißt Alternative Fakten!
Ferienaktion 12. Februar – 23. Februar ist das Lügenmsueum täglich geöffnet

Pünktlich zur fünften Jahreszeit zelebriert das Lügenmuseum als »Kultur-Forum für Alternative Fakten«, dass hundert Achtziggradwendungen parallel erscheinen, und garantiert vollen Genuss bei vollem Eintrittsgeld. Der wunderbare Name Lügenmuseum (der Legende nach bereits 1884 gegründet) hat 28 Jahre bestanden und wurde in den Medien gefeiert. Dass dieser Name nun aufgegeben werden soll bedauern viele Fans. Die Sächsische Landesstelle für Museumswesen SKD entschied, nach fünf Jahren Bearbeitung, dass es sich beim Lügenmuseum um kein Museum handelt. Sie vermutete, dass es sich um eine verzerrte Linse handelt, eine historisch aufbereitete Kulturgeschichte, untermauert durch eine Lügensammlung.

Muss das Lügenmuseum sich nun umbenennen?

In nutzlosen Absurdität einer schier schrankenlosen Maßlosigkeit setzt das Lügenmuseum noch eins drauf und nennt sich, solange es nur sinnlos genug ist – um die Welt zu retten: »Kultur-Forum alternativer Fakten«. »Alternative Fakten«, Unwort des Jahres 2017, sorgt für die nötige Negativwerbung, die allein mit einem sanierungsbedürftigen Gebäude nicht zu erreichen wäre. Negativwerbung nutzt den »Frame Effekt«, der auch funktioniert, denn alle Betrachter dieser Werbung zeigen auf jeden Fall irgendeine emotionale Reaktion. Mit dem Ambush Marketing (engl. Hinterhalt) setzt es sich in Szene. Der Jäger liegt am Busch und lauert auf Alternative Fakten. Auch wenn das Ganze verdächtig klingt, sind Ambush Maßnahmen wie Bankgeschäfte nur in Ausnahmefällen illegal – sie sind schlicht alternativlos.

Mit seinen fiktionalen Welten reibt sich der Künstler Richard von Gigantikow an deutschen Großprojekten. Das »Wahre Deutsch Historische Lügenmuseum« torpediert die Idee Helmut Kohls eines DHM, der »Zentralfriedhof für Investruinen« nimmt das Debakel BER aufs Korn, die WuKaMenta, das Wunderkammerfestival auf einem der größten innerstädtischen Plätze von Dresden setzte sich 2016 und 17 mit den gesellschaftlichen Spannungen im öffentlichen Raum auseinander und das »Kulturforum für alternative Fakten« ist die Vorwegnahme der Vollendung des Humbold-Forums mit fünf Generaldirektoren.

Eine Probefahrt wird Sie überzeugen. Das Lügenmuseum ist der Kontrapunkt, den wir brauchen, um den Wahnsinn dieser Zeit auszuhalten.

Reinhard Zabka

Foto: André Wirsig

Lügenmuseum finanziell in Bedrängnis
Nina Schirmer, sz-online.de, 8. Februar 2018

Ab jetzt wird nicht mehr gelogen – es heißt Alternative Fakten!

PROVINZPOSSE ODER KUNSTSKANDAL?

Die Sächsische Landesstelle für Museumswesen der SKD bescheinigte dem Lügenmuseum, dass es sich um kein Museum handelt. Es erfülle nicht die Kriterien der ICOM Richtlinie: vom Internationalen Museumsrat ICOM (International Council of Museums) entwickelte weltweit geltenden »Ethischen Richtlinien für Museen« (Code of Ethics for Museums). Sie bilden die Grundlage der professionellen Arbeit von Museen und Museumsfachleuten.

Die Sächsische Landesstelle für Museumswesen verwies das Lügenmuseum bezüglich einer Steuerbefreiung an das Regierungspräsidium des Freistaates Sachsen. Diese verwies es wieder an die Landesstelle zurück, da es sich um ein Museum handelt.

Die Bewerbung des Lügenmuseums um den Sächsischen Museumspreis war wohl Anlass, dass die Sächsischen Museumsstelle im Sommer 2017 tätig wurde, nach fünf Jahren Bearbeitung entschied sie, dass es sich beim Lügenmuseum um kein Museum handele und lehnte zugleich eine Steuerbefreiung ab. Bei der folgenden Steuersonderprüfung wunderte sich der Prüfer, dass zwei gleichrangige Behörden zu derart unterschiedlichen Urteilen kommen konnten.

Im Land Brandenburg erhielt das Lügenmuseum für seine Einnahmen eine Steuerbefreiung §4 UstG. Das Ministerium des Landes Brandenburg fragte Mindeststandards ab und stellte eine Bescheinigung aus. Es handelt sich um ein Kunstmuseum, welches in der Brandenburgischen Museumslandschaft einzigartig, beispielhaft und sehr geschätzt wird.

Herr Prof. Dr. Dr. Walz, Vorstand ICOM Deutschland, erläuterte im Sächsischen Museumsbund: »Anspruch und Wirklichkeit: Können kleine Museen alle musealen Kernaufgaben bewältigen?«, dass die ICOM kein Ausschlußkriterium, sondern eine ethische Handreichung sei. Er empfahl der Behörde, Mindeststandards für Museen zu entwickeln.

Was machen die Betreiber des Lügenmuseums nun, um eine Steuerbefreiung in Sachsen zu erhalten? In nutzlosen Absurdität einer schier schrankenlosen Maßlosigkeit setzt das Lügenmuseum noch eins drauf und gibt sich einen neuen Namen, solange er nur sinnlos genug sind – um die Welt zu retten: »Kultur-Forum alternativer Fakten« oder »Fake News Theater«. So wird das Lügenmuseum der Kontrapunkt, den wir brauchen, um den Wahnsinn dieser Zeit auszuhalten.

Reinhard Zabka
Foto: André Wirsig

Die Lüge im Dienste der Wahrheit
yesterdaymorning, steemit.com, 2. Februar 2018

Lügenmuseum wird nicht als Museum anerkannt
Nina Schimer, Sächsische Zeitung, 1.Februar 2018