Zur Ausstellungseröffnung (9. Dezember 2017) Interieur Underground im Lügenmuseum in Radebeul-Serkowitz gab es ein Redebeitrag aus der kunsthistorischer Sicht von Teresa Ende,
ein Beitrag von Thomas Gerlach, der die Katalog Texte mit bearbeitet hat, und ein Beitrag aus der Perspektive der Subkultur von Historikerin Katharina Lenski.
Einen künstlerischen Beitrag haben Gunhild Kreuzer (Performance) und Hartmut Dorschner (Saxophon) geliefert. Ulli Saxe hat DDR-Geräusche musealisiert.

Der Zugang erfolgt im siebenten Ausstellungsraum durch eine schmale Pforte hinter einem Bücherregal in das nachgebaute konspirative Hinterzimmer.

Fotos: André Wirsig

Die Lüge ist ewig, weil sie wahr ist. Sonderausstellung und Katalog mit Geschichten von 1989 im Lügenmuseum von Ralf Nachtmann, jot w.d., 1/2018 — Ausgabe 257

Zeitreise in die Künstlerszene der DDR von Lilli Vostry, Sächsische Zeitung, 13. Dezember 2017

Interieur Underground: Lebendige Zeitreise in die Subkultur der DDR von Lilli Vostry, meinwortgarten.com, 10. Dezember 2017

Underground-Künstler der DDR bekommen in der Lössnitzstadt einen eigenen Raum von Silvio Kuhnert, DNN, 8. Dezember 2017

Erfurter Sammlung von Kunstwerken wird Teil einer Dauerausstellung von Lydia Werner, Tühringer Allgemeine, 6. Dezember 2017

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Pressemitteilung vom 7. Dezember 2017

Interieur Underground öffnet im Lügenmuseum Radebeul

Am 9. Dezember 2017 eröffnet im Lügenmuseum Radebeul ein neuer Ausstellungbereich. In Interieur Underground werden ausgegrenzte Künstler der DDR, ihre Wirkungsräume und Arbeiten vorgestellt. So unterschiedlich ihre Kunst auch war, verband die Underground-Künstler eines: der Mangel an Ausstellungsmöglichkeiten. Deshalb schenkten sie sich gegenseitig ihre unverkäuflichen Werke, die so zu beachtlichen Kunstsammlungen anwuchsen. Eine dieser Sammlungen wird nun als Interieur Underground im Lügenmuseum Radebeul präsentiert. Der Eintritt in den Bereich erfolgt durch eine schmale Pforte hinter einem Bücherregal, wie in ein konspiratives Hinterzimmer.

Die Sammlung gibt Werken randständiger DDR-Künstler und der DDR-Subkultur Raum und bietet ausgeschlossener Kunst eine Präsentationsfläche. Zum neuen Ausstellungsraum erschien ein Ausstellungs-Katalog, in dem Künstler aus der DDR anhand von Alltagsdingen über Ausgrenzung und Verfolgung berichten. Aktuelle Künstlerplakate runden die Texte ab. Gefördert wurde das Projekt von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und dem Sächsischen Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Plakatgestaltung: Gabriele Stötzer, 2017

Die Underground-Kunstszene war nicht auf die Masse ausgerichtet, sondern entwickelte als Gegenkultur eigene. „Künstler der Subkultur lehnten das Sichfügen etablierter Künstler in die gesellschaftlichen Formen ab. Ihre Taktlosigkeit war ein in der Kunst äußerst schöpferischer Faktor. So griff der Underground als Avantgarde die etablierte Kunst öffentlich an und sprach dieser die künstlerische Qualität ab“, erklärt Museumschef Reinhard Zabka.

Lutz Rathenow, der Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, kommentiert das spannende und mitten im Dresdener Bilderstreit weitsichtig daherkommende Projekt wie folgt: „Kunst kommt vom Können, sagen oft die, die mit neueren Arten der Kreativität nicht klar kommen und das Können der Protagonisten bezweifeln. Kunst könnte auch vom Gönnen angeregt werden, von einer Art Neugier und Großzügigkeit, die dem anderen mehr als die Vervielfältigung eigener Haltungen zutraut“.

Interieur Underground wird am 9. Dezember 2017 um 18 Uhr im Lügenmuseum, Kötzschenbrodaer Str. 39, in Radebeul eröffnet. Es sprechen die Kunsthistorikerin Theresa Ende, der Autor Thomas Gerlach sowie der Museumsdirektor Reinhard Zabka. Daneben erwartet die Besucher ein musikalisches Programm des Performance-Künstlers Ulli Sachse und des Saxophonisten Hartmut Dorschner.

Dr. Nancy Aris

Stellvertretende Landesbeauftragte
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Pressemitteilung vom 6. Dezember 2017

Sensationeller Fund – Neuer Ausstellungsraum in der Dauerausstellung Lügenmuseum

Im April 1992 ahnte niemand, dass der Anruf des Künstlers Albrecht Hillemann aus Erfurt einen sensationellen Fund zu Tage bringen würde. In der Taubengasse in Erfurt wurde ein verfallenes barockes Haus saniert. Welch eine Überraschung, die Sanierung legte im Dachquartier eine übertapezierte Tür frei. Dahinter lag ein geheimer Raum, verstaubte Möbel und nicht genau zu bestimmende Kunstwerke. Alles musste geräumt werden. Das Erfurter Stadtmuseum lehnte ab. Das Lügenmuseum war interessiert, weil in den 70er Albrecht Hillemann und Reinhard Zabka in der Backstube des besetzten Hauses ein Atelier bezogen hatten.

Plakatgestaltung: Jürgen Gottschalk, 2017

Drei Stockwerke auf steilen Holzstiegen empor, ganz oben dann Ausblicke auf das Augustinerkloster und die Mühle an der Gera. In dem Raum hatte zuletzt ein Künstler gewirkt, das war auf den ersten Blick klar. Die Wände voller Kunst, die Bücher in graues Packpapier eingebunden. Die Kunstgegenstände stellten wir an die Wand, um sie zu begutachten. Alles wirkte wie eine Zeitreportage in Form von Skizzen, Objekten und Experimenten. Spiegelbild einer schwierigen Zeit, eine Episode aus Erfurts Kultur im verborgenen der 70er Jahre.
Die Ansammlung wurde ins Lügenmuseum transportiert, entstaubt und eingelagert. Die Namen der Künstler waren unbekannt, nichts war signiert. Es gab Umzüge, zuletzt 2012 in den Gasthof Serkowitz. Doch die Erfurter Sammlung blieb in groben Zügen erhalten.

25 Jahre nach dem Fund erhielt das Lügenmuseum eine Förderung der Bundesstiftung Aufarbeitung. Dies gab uns die Mittel, diese Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, sie neu zu entdeckten. Was da unter dem sozialistischen Schubladenbegriff „Volkskünstlerisches Schaffen“ rmieren musste, entpuppte sich bei näherem Hinsehen als ernstzunehmender Aufbruch, der keinerlei Vergleiche scheuen brauchte. Was da fast vergessen in einer Dachkammer ruhte, steht heute stellvertretend für die schöpferische, vielseitige, eher im Stillen gewachsene und sich um keine Modeströmung scherende künstlerische Vitalität von Künstlern im Untergrund der DDR.

Diese Geschichte dieser konspirativen Kunstsammlung wird nun als Interieur Underground im Lügenmuseum präsentiert. Der Zugang erfolgt im siebenten Ausstellungsraum durch eine schmale Pforte hinter einem Bücherregal in das nachgebaute konspirative Hinterzimmer. Zum Ausstellungsraum gibt es einen Katalog mit ’89 Geschichten: Künstler dieser Zeit erzählen an Hand von Alltagsdingen über Ausgrenzung und Verfolgung. 10 aktuelle Künstlerplakate können als Wanderausstellung ausgeliehen werden.

Künstlerischer Leiter, Reinhard Zabka

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Pressemitteilung vom 1. Dezember 2017

Das zerrissene Soldatenfoto von A.R. Penck

Die neue Rauminszenierung Interieur Underground im Lügenmuseum Radebeul zeigt die Poesie des Untergrundes. Die unkonventionellen Ideen
der Demokratiebewegung, der Boheme und Subkultur in Ostdeutschland
spiegeln eindrucksvoll die Macht der Fantasie im Angesicht der Zensur.

Zur Ausstellung (Eröffnung: 9.12., 18 Uhr) gibt es zehn Künstlerplakate mit Originaldokumenten von damals und dem Blick von heute. Außerdem erscheint ein Katalog mit 89 Geschichten der friedlichen Revolution, in denen Künstlerinnen und Künstler der DDR in persönlichen Anekdoten anhand von Alltagsdingen über Ausgrenzung und Verfolgung erzählen.

Das zerrissene Soldatenfoto von A.R. Penck

In einer der 89 Geschichten des Ausstellungskatalogs erzählt der einst in den Westen ausgebürgerte Liedermacher Wolf Biermann ironisch über „Tatwerkzeuge“. Zu sehen ist ein alter Stahlbehälter, in dem ein Freund Biermanns Tagebücher 13 Jahre lang versteckte in einem zweckentfremdeten Suppenkübel der Nationalen Volksarmee. „Das zerrissene Foto von A.R. Penck“ erinnert an eine Performance 1980 im Theater BAT in Berlin Prenzlauer Berg, wo der Maler am Schlagzeug saß und Fotos mit abgebildeten Wehrmachtsoldaten zerriss, die Schnipsel in die Luft warf, von Trillerpfeifenklängen anderer Künstler begleitet. Der Theaterdirektor rief vergebens Schluss! und wurde niedergepfiffen in einem Aufstand der Kunst gegen die Administration. Der Fotograf Günter Starke hielt 1984 eine Kunstaktion in der verfallen-berüchtigten Gaststätte „Mokka-Perle“ in der Dresdner Neustadt fest, wo sich eine Handvoll Künstler um Initiator Jörg Sonntag der Hausruine bemächtigten, kunstvoll die Räume verbarrikadierten und die wilden Klänge der „Rennbahnband“ waren ein letztes Aufbäumen vor dem Abriss.

Lilli Vostry, Öffentlichkeitsarbeit

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Pressemitteilung vom 7. November 2017

Interieur Underground. Eröffnung 9. Dezember 18.00 Uhr
Neuer Ausstellungsraum in der Dauerausstellung Lügenmuseum

Man sieht dem maroden Gasthof Serkowitz am Rand von Dresden nicht an, dass sich darin das fantastische Lügenmuseum befindet. Es präsentiert Maschinen zur Belustigung, anarchische Apparate im ironischen Leerlauf, ehemals ausgeschlossene Kunst der DDR. Die künstlerische Avantgarde der friedlichen Revolution – blinde Flecken in den Deutschen Museen, als Bilderstreit in Dresden derzeit heftig diskutiert.

Der Zugang erfolgt im siebenten Ausstellungsraum durch eine schmale Pforte hinter einem Bücherregal in das nachgebaute konspirative Hinterzimmer.
Foto: André Wirsig

Den ausgegrenzten Künstlern mangelte es an Ausstellungsmöglichkeiten. Deshalb schenkten sie sich zu jeglichen Anlässen ihre unverkäuflichen Werke, die zu beachtlichen Kunstsammlungen führten. Eine dieser Kunstsammlungen wird nun als Interieur Underground im Lügenmuseum Radebeul präsentiert. Der Eintritt erfolgt durch eine schmale Pforte hinter einem Bücherregal in ein konspiratives Hinterzimmer.

Künstler der Gegenbewegung, der Subkultur lehnten dass Sichfügen etablierter Künstler in die gesellschaftlichen Formen ab. Ihre Taktlosigkeit ist ein in der Kunst äußerst schöpferischer Faktor. Dahinter steht die Haltung, dass der Künstler, der sich vor dem Ungehörigen, der Geschmacklosigkeit und dem Skandal fürchtet, nicht viel wert ist. So greift der Underground als Avantgarde die etablierte Kunst öffentlich an und spricht dieser die künstlerische Qualität ab. Aus dieser Perspektive gleichen die Bestände an staatstragender Kunst der DDR in den ostdeutschen Museen einer Bad Bank (eine Bank für schlechte Verpflichtungen).

Zum neuen Ausstellungsraum der Dauerausstellung gibt es einen brandneuen Katalog mit ’89 Geschichten: Künstler der DDR erzählen an Hand von Alltagsdingen über Ausgrenzung und Verfolgung und es gibt 10 aktuelle Künstlerplakate. Gefördert durch die Bundesstiftung Aufarbeitung und den Sächsischen Landesbeauftragten für die Stasiunterlagen, Träger ist der Kunst der Lüge e. V.

Zur Eröffnung sprechen Theresa Ende, Thomas Gerlach und Reinhard Zabka, Ulli Sachse Performance und Hartmut Dorschner sax.

Künstlerische Leitung, Reinhard Zabka

Gefördert durch die Bundesstiftung Aufarbeitung und den Sächsischen Landesbeauftragten für die Stasiunterlagen, Träger ist der Kunst der Lüge e. V.

Thema
Interieur Underground ist der Titel einer neuen Rauminszenierung im Lügenmuseum Radebeul. Sie zeigt Kunstwerke randständiger Künstlern und der Subkultur der DDR. Dieser Raum und die dazugehörige Publikation vermittelt Einsichten in die ästhetischen Ausdrucksformen subkultureller Künstler bis hin zu den bilderstürmerischen Installationen der friedlichen Revolution in Ostdeutschland von den 1968-Jahren bis 1990. Der Underground (englisch, wörtlich: Untergrund) in der Kunst, in Ost wie in West, ist eine Szene, die als Gegenkultur nicht auf die Masse ausgerichtet ist, eigene Codes und eigene Sprachen entwickelt und unabhängig produziert. Ihre gesellschaftliche Taktlosigkeit ist ein in der Kunst äußerst schöpferischer Faktor.

Räumlicher Rahmen
Der Eintritt erfolgt im vierten Ausstellungsraum des Lügenmuseums durch einen Schrank und eine schmale Pforte in ein verstecktes Hinterzimmer. Dies gibt dem Raum eine konspirative Atmosphäre. Durch die Fenster schaut man auf einen Holunder vor einer fensterlosen Wand. Unten plätschert der Lößnitzbach. Die Atmosphäre eines Hinterhofatelier im Prenzlauer Berg oder Dresden Neustadt.

Situation vor 89
Die Kulturpolitik der DDR stand unter dem Diktat der SED, welche die freie Entwicklung der Kunst verhinderte. Die Bilder des sozialistischen Realismus täuschten über gesellschaftliche Missstände hinweg, wirkten dennoch ideologiebildend. Mit ihren falschen Versprechen wurden sie als ungeheurer Betrug empfunden.
Viele der widerständigen Künstler wurden geprägt von der Beat Generation. Die Musik aus dem Radio verbreitete ein befreiendes Lebensgefühl, welches dazu ermutigte, gegen Obrigkeiten aufzubegehren und auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen. Die von der Beat Generation beeinflusste Hippie-Bewegung, mit der für sie charakteristischen psychedelischen Kultur, begann ein politisches und gesellschaftskritisches Bewusstsein zu entwickeln….
Die Künstler der Gegenbewegung rebellierten gegen den Systemdruck und lernten, ihr Verwundungen zu offenbaren, mit der Angst umzugehen und dem Ghetto den Rücken zu kehrten. Ausgegrenzt nutzen sie ihre privaten Ateliers, experimentierten, warfen einen Blick über die Mauer, verbanden neue Ideen mit alten Kulturtechniken und schufen Biotope, die als Lebensgefühl und als Kunst die Welt heute noch bereichern.

Interieur Underground
Der Raum erzählt die Geschichte ausgegrenzter Künstler, in einem politisch obsoleten System, wo die Bürger mit Macht umgeformt werden sollten. Die Besucher können die Um- und Aufbrüche in autobiografischen Objekten erleben und wie es gelang zwischen Wut, Spaß und Träumen nicht gebrochen zu werden. Die Besucher erfahren etwas über die Art, wie sie mit Herausforderungen umgingen, und wie sie ihren Weg bis heute fanden. In dem Raum wird Zeitgeschichte lebendig und berührend, wie sie sonst kaum greifbar wird.

Das Lügenmuseum
„Ich habe mir alles selbst erfunden, eine Kindheit, eine Persönlichkeit, Sehnsüchte, Träume, Erinnerungen, um sie erzählen zu können, die Lüge ist immer interessanter als die Wahrheit.“ Federico Fellini an der Eingangstür des Lügenmuseums. Es zieht viele Besucher an, die noch nie in einem Museum waren. Der poetische Lügner verweist mit dem „Wahren Deutsch Historischen Lügenmuseum“ auf das Wahre, dies gehört zu seiner Raffinesse. Die Inszenierungen zeigen ehemals zensierte Objekte und Installationen. Die Poesie des Untergrunds, die unkonventionellen Ideen der Demokratiebewegung, der Boheme und Subkultur in Ostdeutschland demonstrierten die Macht der Phantasie im Angesicht der Zensur.

Beitragsfoto: Arbeiten von Annemirl Bauer am 2014 im Lügenmuseum im ehemaligen Gasthof Serkowitz Radebeul. Foto: André Wirsig