Zur Ausstellung Interieur Underground plant das Lügenmuseum eine Begleitdokumentation. Darin werden 99 Geschichten von randständigen, ausgegrenzten Künstlern und der Subkultur der DDR erzählt. Sie machen auf die besondere kunst- und kulturgeschichtliche Bedeutung und auf die kreativen Potenziale der staatsfernen Kunst aufmerksam.

Einladung zur Teilnahme

Dafür brauchen wir Eure Erinnerungen. Geplant ist je eine Seite Text (1800 Zeichen inkl. Leerzeichen) und eine Abbildung konkreter Objekte wie Fotos, Vorladungen o. ä. aus Eurem Archiv. Eine kurze Vita (500 Zeichen) im Anhang soll die Brüche zeigen und andererseits die personelle Kontinuität. Die Texte werden von einem Lektor betreut. Die beteiligten KünstlerInnen erhalten Belegexemplare. Wenn möglich, wird ein kleines Honorar gezahlt.

Termin: 25. Mai, Zeitplan noch offen.

Wir bitten Euch um Eure Mitarbeit und Unterstützung

Reinhard Zabka

Die Rauminszenierung

Die Begleitdokumentation steht im Zusammenhang mit der neuen Rauminszenierung Interieur Underground im Lügenmuseum. Sie zeigt Kunstwerke ausgegrenzter, randständiger Künstler der DDR und gibt Einsichten in ihre ästhetischen Ausdrucksformen. Da ihnen die offiziellen Ausstellungen verschlossen waren, schenkten und tauschten viele Künstler ihre Bilder, Grafiken und Gedichte zu allen möglichen Anlässen. An den Wänden der Wohnungen und Ateliers entstanden beachtliche Kunstsammlungen. Diese Atmosphäre nehmen wir in der Rauminszenierung auf: Der Zugang erfolgt durch einen Schrank in ein verstecktes Hinterzimmer, das an ein Hinterhofatelier erinnert.

Die Begleitdokumentation

Da bildende Künstler eher visuell als mit Worten arbeiten, sind ihre Geschichten bisher nicht erzählt. Wir wollen diesen Schatz heben, die Geschichten bündeln und den Künstlern eine Stimme geben. Erzählt über Eure Brüche und Konflikte und wie Ihr es geschafft habt, Euch in der ideologisierten Gesellschaft nicht von Perspektivlosigkeit und Verzweiflung zermürben zu lassen.
Das Material der Dokumentation erinnert an die Samisdat-Publikationen der DDR: Zeitungspapier, schwarz/weiß-Druck, einfache Heftung.

Die Wanderausstellung

99 Künstler und Künstlerinnen erzählen 99 Geschichten, Abbildungen zeigen 99 Objekte: Die Dokumentation bildet den Grundstock für ein neues Kunstwerk. Angelehnt an das Prinzip Mail Art entsteht ein künstlerisches Gemeinschaftswerk, das wächst und in seinen verschiedenen Stadien als Wanderausstellung gezeigt wird: nie vollendet, immer einen Schritt weiter als gezeigt wird, immer bereits veraltet. So können wir spitzbübisch wie in alten Zeiten dem etablierten Kunstbetrieb eine Nase drehen.

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Interieur Underground ist der Titel einer neuen Rauminszenierung im Lügenmuseum Radebeul. Sie zeigt Kunstwerke randständiger Künstlern und der Subkultur der DDR. Dieser Raum und die dazugehörige Publikation vermittelt Einsichten in die ästhetischen Ausdrucksformen subkultureller Künstler bis zu den bilderstürmerischen Installationen der friedlichen Revolution in Ostdeutschland von den 1968-Jahren bis 1990.

Der Underground (englisch, wörtlich: Untergrund) in der Kunst, in Ost wie in West, ist eine Szene, die als Gegenkultur nicht auf die Masse ausgerichtet ist, eigene Codes und eigene Sprachen entwickelt und unabhängig produziert. Ihre gesellschaftliche Taktlosigkeit ist ein in der Kunst äußerst schöpferischer Faktor. Dahinter steht die Haltung, dass der Künstler, der sich vor dem Ungehörigen, der Geschmacklosigkeit und dem Skandal fürchtet, nicht viel wert ist. Dass Sichfügen etablierter Künstler in gesellschaftliche Formen ist nicht gut für den, der Formen schafft. So greift der Undergrund als Avantgarde die etablierte Kunst öffentlich an und sprechen dieser die künstlerische Qualität ab.

Räumlicher Rahmen

Der Eintritt erfolgt im vierten Ausstellungsraum des Lügenmuseums durch einen Schrank und eine schmale Pforte in ein verstecktes Hinterzimmer. Dies gibt dem Raum eine konspirative Atmosphäre. Der ebenerdige Raum von 28 m² hat zwei Fenster, man schaut auf einen Fliederstrauch und einen Holunder vor der fensterlosen Wand gegenüber. Tief unten plätschert der Lößnitzbach. Der Besucher kann die Ausstellung besichtigen, in der Bibliothek stöbern und sich hinsetzen. Die Atmosphäre entspricht einem armen, gemütlichen Hinterhofatelier aus dem Prenzlauer Berg oder in Dresden Neustadt. Die Ausstellung zeigt Grafiken, Einladungen, Mailart, Objekte, Fotos, Bücherwände, Atelier- und Sperrmüllinventar. Dabei werden beispielhafte Kunstwerke aus den Sammlungen von Peter Graf, Klaus Liebscher, Pit Müller und Wilfriede und Eckehard Maaß hinzugezogen. Damit sind drei künstlerische Kreise vertreten: Erfurt und Prenzlauer Berg, Literatenszene um Maaß und der Dresdner Freundeskreis von Peter Graf. Der Raum Interior Undergrund ist Bestandteil des Rundganges durch die Dauerausstellung des Lügenmuseums.

Situation vor 89

Die Kulturpolitik der DDR stand unter dem Diktat der SED, welche die freie Entwicklung der Kunst verhinderte. Die Bilder des sozialistischen Realismus täuschten über gesellschaftliche Missstände hinweg, wirkten dennoch ideologiebildend. Mit ihren falschen Versprechen wurden sie als ungeheurer Betrug empfunden. Sie waren nicht für eine bloße Betrachtung geschaffen. Auch wenn man versuchte, sie weg zusehen, schlichen sie sich in die Gedanken und wirkten doch dadurch, das man sich von ihnen beobachtet fühlte. Im System staatlich gelenkter Kunstproduktion arbeiteten einige  Künstler mit minimalen Irritationen, die mitunter existenzbedrohend waren. Andere entwickelten wilde oder eigene Kunstformen. Ihr Potential konnten sie unter den gegebenen Bedingungen nicht entfalten (Schließlich konnte man die Bilder nicht so einfach wie ein Manuskript durch die Grenzkontrollen schmuggeln), so schenkten und tauschten sie ihre Bilder, Grafiken und Gedichte zu allen möglichen Anlässen. An den Wände der Wohnungen und Ateliers entstanden so beachtliche private Kunstsammlungen, die heute noch z.B. bei Peter Graf in Radebeul, Eckehard Maaß in Berlin und im Lügenmuseum zu sehen sind. Dies ist der Ausgangspunkt der geplanten Rauminszenierung.

Viele der damalige widerständigen Künstler wurden geprägt von der Beat Generation mit ihren Hauptprotagonisten William S. Burroughs, Allen Ginsberg und Jack Kerouac. Vor allem durch die Musik über das Radio verbreitete sich ein befreiendes Lebensgefühl auch in der DDR, welches dazu ermutigte, gegen Obrigkeiten aufzubegehren, auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen. Die von der Beat Generation beeinflusste Hippie-Bewegung, mit der für sie charakteristischen psychedelischen Kultur, begann ein politisches und gesellschaftskritisches Bewusstsein zu entwickeln. In ihrer engen Verflechtung mit der Pop und Trivialkultur ist in diesem Zusammenhang die psychedelische Kunst mit ihren vielfältigen Environments und Plakatgestaltungen ein kunsthistorisch immer noch vernachlässigtes Feld.

Der Ausdruck der Opposition im Osten war vor Allem geprägt durch die Atmosphäre der Offenheit und damit blieb diese Bewegung wesentlich länger in der Phase des Hinterfragens, des offenen Suchens ohne gewaltsame Konfrontation mit dem diktatorischen Staat. Die totale Ablehnung, das zeigt sich nicht in den Bildern, die manchmal nur von der kleinen Abweichung lebten. Die heutige Situationskomik einer Geschichte eines Bildes zeigt die unberechenbare Wirkung der Zensur und des Umgangs mit dieser Kunst. Ein Künstler aus Erfurt hatte zur Bezirkskunstausstellung in den 70ern ein Bild eines Affen mit einem lädierten Blumenstrauß eingereicht. Es wurde ausjuriert. Die Jury kam zu der Interpretation, das dieses Bild die Kultur in der Hand der Partei darstellte, es wurde als staatsgefährdend eingestuft. In der Bezirkskunstausstellung in Berlin am Fernsehturm wurde eine Offsetlithografie von Martin Hoffmann ausgestellt, eine Streifencollage, Raketen als Köpfe, Anzüge des Politbüros als Brust etc. Als die Kommission unter Leitung von Günter Schabowski die Reihen der Bilder ab schritt, das Haus war von Sicherheitskräften abgeschirmt, da nahm Schabowski die Grafik von der Wand und warf sie auf den Boden, so dass das Glas zersplitterte.

Die Künstler der Gegenbewegung rebellierten gegen den Systemdruck und lernten, ihr Verwundungen zu offenbaren, mit der Angst umzugehen und dem Ghetto den Rücken zu kehrten. Dafür wurden sie ausgegrenzt. Sie nutzen ihre privaten Ateliers, experimentierten, warfen einen Blick über die Mauer, verbanden neue Ideen mit alten Kulturtechniken und schufen Biotope, die als Lebensgefühl und als Kunst die Welt heute bereichern. Die Künstler entrümpelten die Innenräume der DDR-Bürger und richteten sie neu ein. Eine Kulturtechnik war, die degenerierten Machtstrukturen der Lächerlichkeit preiszugeben, bis sie schließlich stürzten. Dies wirkte ähnlich einer Gestaltungstherapie.

Situation nach 89

Die politischen Rahmenbedingungen haben sich grundlegend gewandelt, die Sehnsucht nach Freiräumen aber ist geblieben. Politische Repressalien müssen heute nicht mehr gefürchtet werden. Dafür ist die überwiegend missliche Lebenslage der Kulturschaffenden und das blinde Akzeptieren der schwierigen sozialen Situation der Künstler in der Bundesrepublik empörend. Die Kulturtechniken und die Wirkungskraft, die die Künstler in ihrer Zeit entwickelt haben, sind ein Erfahrungswissen, welches zugänglich sein sollte.

In der DDR waren es politisch instrumentalisierte Juroren, die die Werke aus dem Zusammenhang rissen und diskussionswürdige Werke ablehnten. Im westlichen Kunstmarkt herrschen die Kuratoren, Historiker und Museumsdirektoren. Mit einem eigenen Museum wollte sich Zabka diesen Mechanismen entziehen, die Deutungshohheit über seine eigene Geschichte behalten.

Die sozialistische Repräsentationskunst im öffentlichen Raum wurde nach dem Mauerfall abgeräumt, so dass sie als Reibefläche verloren ging. Diese durchaus abscheulichen Symbole, Schrifttafeln, Denkmäler und Monumentalkunst waren ja Ausdruck der Geschichte, des Glaubens ebenso wie der Erniedrigung. Das Abräumen des untergegangenen Systems erschien mir nicht erstrebenswert. Ein Friedhof dagegen, eine Beerdigungsstätte, hätte durchaus geholfen, die später herum irrenden Geister in Dresden zu bannen, die die Nachwelt nun verunsichern.

Das Lügenmuseum beschäftigt sich mit musealen Sammlungsstrategien für die Subkultur der DDR, für alternative, ausgegrenzte Künstler, auch im internationalen Vergleich. Wir erforschen, wie die Werke, Objekte und Installationen in einem veränderten gesellschaftlichen Kontext zur Wirkung, zum Erzählen gebracht werden können.

Das „abgeschlossenen Sammlungsgebiet DDR“ wurde in Retromuseen vermarktet, meist als rein historisch abgeschlossene Ansammlung. Wie im Selbstbetrug der Wandzeitungen wurde das physische, psychische und soziale Befinden der Menschen im dem damaligen System ausgespart. Die realistischen Darstellungen der Gedenkstätten nähern sich bedenklich der Ästhetik der ideologisch gefärbten Gedenkstätten der untergegangenen DDR.

Die künstlerische Wege in die Selbstbestimmung und ihre grenzüberschreitenden Ideen waren die Wegbereiter der friedlichen Revolution. Diese Geschichten haben keinen besonderen Medienwert. Bedauerlich ist, dass nun nur Regionalmuseen für diese Dissidenten ihre Räume öffneten, um sie damit endgültig in die Provinzlagen abzuschieben.

Die Ausstellungen „Diktatur und Bohem“, „Ohne uns“ bis „Abschied von Ikarus“ verließen sich darauf, dass die Bilder schon für sich selber sprechen würden. Die Kunst wurde als Dokument missbraucht, hinter denen sich die aktenschnüffelnden Kuratoren versteckten. Sie vermittelten Wissen aus zweiter Hand und zahlten kein Ausstellungshonorar. Die Ausstellungen verwandelten sie in ein Mausoleum. Die ein- oder ausgeladenen Künstler fühlten sich unangenehm angefasst oder benutzt. Sie zeigten Widerwillen bis Ekel gegenüber dieser Art Familiengrab.

Bedürfnis nach Authentizität

Die Kehrseite der Erinnerungskultur, der lebendigen Auseinandersetzung, bilden die obsessive Sammelleidenschaft, die Eskalation der Archivierung und eine Ratlosigkeit gegenüber den herein strömenden Nachlässen. Gegen die Fülle der Archive und Museen und medialen Informationen muss das Leben rückgekoppelt werden, es ist ein neuer Bedarf an authentischer Erfahrung von Geschichte entstanden.

Im Lügenmuseum beherrscht Zabka virtuos ein Repertoire von Inszenierungstechniken, als seien es „authentisch“ erhaltene Spuren eines untergegangenen politischen Systems. Die Betrachter werden herein gelockt in anheimelnde Räume voller Sammellust, die eine Begegnung mit Privatem vortäuschen, dann aber das Heimliche in sein Gegenteil, das Unheimliche übergehen lassen. Mit der Einrichtung der atemberaubenden Rauminszenierungen, mit Ruinenästhetik, Armutssammlungen und kafkaesken Situationen zwingt das Lügenmuseum den Besuchern einen Modus konzentrierter Wahrnehmung förmlich auf. Damit versucht er, die Betrachter zu motivieren, die Suche nach dem Gegenstand der Erinnerung selbst aufzunehmen.

Als Grenzgänger schuf Zabka Installationen, die selbst museal sind, sich den musealen Zusammenhängen aber dadurch widersetzen. Zabka benutzt seine eigenen Kunstwerke, Collagen, Assemblagen, Videoarbeiten und Installationen in Koffern, elektronische und mechanische Klänge, Kinetische Objekte aus vier Jahrzehnten und mischt sie mit Souvenirs, Exotika und Requisiten aus der verblichenen Lebenswelt der untergegangenen DDR, aus  dem er dann seine Inszenierungen entwickelt. Dabei kommt es ihm nicht auf das didaktische Sprechen der Dinge an, sondern darauf, dass der Stoff der Betrachtung über Bord geworfen wird. (Walter Benjamin)

So wie Ilja Kabakow und Christian Boltanski befragt Reinhard Zabka im Problemhorizont der Beziehung zwischen Museum und zeitgenössischer Kunst- anders als viele Künstler der 70 Jahre – nicht mehr vorrangig mit den Modalitäten der Ausstellungen befasst – das Museum in seiner gesellschaftlichen Funktion als Ort institutionalisierter Erinnerung. Dabei können die „Künstlermuseen“ als geschichtliche Orte der persönlichen Erinnerung mit dem musealen Präsentationen der Ordnung ihrer Sammlungen durchaus kollidieren.

Interieur Underground  

Der Raum erzählt die Geschichte  ausgegrenzter Künstlers, in einem politisch obsoleten System, wo die Bürger mit Macht umgeformt werden soll. Die Besucher können die Um- und Aufbrüche in autobiografischen Objekten, Episoden voller Energie und Verzweiflung erleben und wie es ihnen gelang zwischen Wut, Spaß und Träumen nicht gebrochen zu werden. Die Besucher erfahren etwas über die Art, wie sie mit Herausforderungen umgingen, und wie sie ihren Weg bis heute fanden. In dem Raum wird Zeitgeschichte lebendig und berührend, wie sie sonst kaum greifbar wird.

Diese Ausstellung möchte die Deutungshohheit über die eigene Geschichte zurück gewinnen und sich nicht von einem westlichen Interpretations-Diskurs bevormundet oder gar zu Künstlern der Provinz erklären lassen. Interior Undergrund macht randständige Positionen, die subkulturellen Szene in Ostdeutschland erlebbar. In der Aufarbeitungs- und Wiedergutmachungsarbeit fallen die lebendigen Künstler einfach unter den Tisch, deren Arbeit aktuell und nicht historisch orientiert sind. Über die  Erläuterung und Einsichten dieses Raumes kann das Gesamtkunstwerk Lügenmuseum auch besser vertieft werden. Die Anziehungskraft des Lügenmuseum ist geeignet, diesen Aspekt wirkungsvoll aufzuzeigen und Synergien zu erzeugen. Die Aktivisten der friedlichen Revolution konnten mit ihren Kulturtechniken und überzeugendem inneren Gewicht die Herzen der Menschen erreichen. Nach der ersten Euphorie des Mauerfalls aber waren sie auf der Verliererseite gelandet. Ihre unabhängig entwickelten Kunstformen waren unscheinbar, nicht besonders spektakulär. Ihre Hoffnung, dass diese eigene Sprache und Kultur in dem vereinten Deutschland gewürdigt und einbezogen werde, wurde enttäuscht. Heute spürt man in Ostdeutschland den Mangel einer eigenen Kultur und Identitäten.

Heute versuchen viele Museen mit dem Aktualitäts-Ansatz vom Image eines Geschichtsmuseen wegkommen. Da sich die Bewertung einer Entwicklung oder eines Ereignisses mit zeitlichem Abstand jedoch ändert, ist es wichtig sich in einer Schau zu einem tagesaktuellen Thema mit einseitigen Wertungen zurückzuhalten und keine abschließenden Ergebnisse zu präsentieren. Viele Stadtmuseen dokumentierten inzwischen immer stärker Gegenwartsbezüge, zum Beispiel das Thema Migration, Multikulturalität, aber dies gibt es nicht erst heute. In den neuen Bundesländern ist ein ähnliches Phänomen nach der Deutschen Einheit zu beobachten, als relativ kurz nach der Wende Ausstellungen mit Fotos oder den „Wir sind das Volk“-Transparenten gezeigt wurden.

Im Geschichtsunterricht ist die DDR als Lebenswelt und Unrechtsstaat nicht so leicht zu vermitteln, da persönliche Unsicherheiten und Belastungen es schwierig machen, eine Haltung einzunehmen. Der Rundgang durch das Lügenmuseum vermittelt eine spielerische Annäherung an das Thema. In dem begleitenden Katalog werden Ausstellungsobjekte mit kurzen Geschichten in Beziehung gesetzt. Dieser Katalog kann breit den Schulen zur Verfügung gestellt werden und in seiner leichten Form im Geschichtsunterricht helfen, das Thema zu vermitteln.

Katalog Skizze – 99 Objekte und 99 Texte von Künstler

Das Lügenmuseum

„Ich habe mir alles selbst erfunden, eine Kindheit, eine Persönlichkeit, Sehnsüchte, Träume, Erinnerungen, um sie erzählen zu können, die Lüge ist immer interessanter als die Wahrheit.“ Dieses Motto von Federico Fellini an der Eingangstür des Lügenmuseums zieht viele Besucher ins Lügenmuseum, die noch nie in einem Museum waren. Es ist ein Umschlagplatz für Ideen. Die Kunstprojekte stehen für unkonventionelle Vermittlung zeitgenössischer Kunst im öffentlichen Raum.

Der poetische Lügner verweist mit dem „Wahren Deutsch Historischen Lügenmuseum“ auf das Wahre, dies gehört zu seiner Raffinesse. Die Inszenierungen zeigen ehemals zensierte Objekte und Installationen und werden dadurch zu einem authentischen Ort, an dem die Hoffnung und die Verzweiflung der stellvertretend Ausgestoßenen und den Nachwachsenden vor Augen geführt wird. Die einstmals so kostbaren Eigentümlichkeiten der ausgegrenzten Kunst, die Poesie des Untergrunds, die unkonventionellen Ideen der Demokratiebewegung, der Boheme und Subkultur in Ostdeutschland demonstrierten die Macht der Phantasie im Angesicht der Zensur.

Das Lügenmuseum ist eine private Sammlung von Objektkunst und Installationen des Künstlers Reinhard Zabka und weiterer widerständiger oder ausgegrenzter Künstler. Es spannt einen Bogen von den Pamphleten, Manifesten, Grafiken, Fotos, Collagen, Assamblagen, Installationen und Enviroments aus der Zeit der DDR zur zeitgenössischen Kunst heute. Zabka entwickelte als Autodidakt in dem System der staatlich gelenkten Bildproduktion der DDR eine eigene Kunstform. Heute plädiert er gegen den Ausschluss der DDR-Subkultur aus den Museen, gegen die Geschichtsschreibung aus zweiter Hand, das Lügenmuseum ist ein Versuch, dagegen zu wirken.

Leihgabe von:

Peter Graf: Agate Böttcher, Strawalde, Peter Herrmann, RA Penk

Leihgabe oder Ankauf von Klaus Liebscher: Plakate, Baby Sommer, Uwe Kropinsky, Gumpert, Conny Bauer

Leihgabe oder Ankauf von Pit Müller: Ralph Kerbach, Pit Müller

Leihgabe von Reinhard Zabka: Manfred Butzmann, Robert Rehfeld, Martin Hoffmann, Bert Papenfuß, Horst Sagert, Hartmut Sörgel, Lutz Fleischer, Ottfried Zielke, Annemirl Bauer, Otis Laubert, Helge Paris, Conny Schleime, Albrecht Hillemann, Bernd Hiepe, Ellen Steger, Collagen, Einladungen und Mail Art.

Weitere Leihgaben und Schenkungen werden im Laufe der Vorbereitung erwartet.

DaDaMenta trifft WuKaMenta

100 Jahre DaDa – die Geburtstagsfeierlichkeiten eröffnen das Lutherjahr!

26. 11. 2016 um 19 Uhr, Lügenmuseum Radebeul, der Eintritt ist frei

In Zürich wurde das Jubiläum der antikünstlerischen Bewegung DaDa groß gefeiert. Im Elbtal blieb es ruhig, Pegida wurde als dadaistische Bewegung nicht anerkannt. Nach Luther, der die deutsche Schriftsprache einführte und der freikirchlichen Reformbewegungen im 19. Jahrhundert, folgte DaDa, als dritte Welle des reformfreudigen Christentums. Anfang des 20 Jahrhunderts befreite DaDa der Sprache vom Sinn. Beuys erweiterte den Kunstbegriff, Zabka erweiterte das Museum und Dario Fo spielte lieber auf öffentlichen Plätzen. DaDa ist antikünstlerische Geste, raumfüllende Ausstellungsästhetik und aufwühlende Geisteshaltung mit Biß, sie findet im Lügenmuseum den befruchtenden Rahmen.

WuKaMenta: ein dreiteiliges Kunstprojekt. Dreiunddreißig Künstlern bespielten im Juni zwei Wochen den öffentlichen Raum, Neumarkt Dresden. Als Baustein der Feierlichkeiten zur Deutschen Einheit präsentierte die WuKaMenta vor dem Rathaus Dresden einen Beitrag für die Bewerbung um die Kulturhauptstadt 2025. Die Ausstellung WuKaMenta #serkowitz, 100 Jahre DaDa zeigt 20 zeitgenössische Künstler im Lügenmuseum Radebeul.

Pastor Leumund, Performer, dadaistischer Gottesdienst,
Michael von Hintzenstern und Tim Helbig daddeln Kurt Schwitters: „Sonate in Urlauten“ mit Schlagzeug.

Ausstellende Künstler: Perry Argel, Popke Bakker, Jola Brejdack, David Campesino, Silvio Colditz, Getulio Damado, Justus Ehras, Robert Frenzel, Richard von Gigantikow, Michael von Hintzenstern, Frank Hermann, Dorothee Kletzsch, Otis Laubert, Klaus Liebscher, Anna Mateur, Annette Muck, Sebastian Quiroz, Madlyn Sauer, Reinhard Sandner, Rose Schulze, Olaf Spillner, Erwin Stache, Hilla Steinert, André Wirsig.

Beitragsfoto: André Wirsig

Förderer:



 

Wer Sehnsucht nach dem Lügenmuseum hat: Ein Ausflug in das herbstliche Hügelland, HINTERLAND, ein sympathischer Markt für alle, die ein besonderes Geschenk suchen, das sozialistische Musterdorf Mestlin und das Lügenmuseum im Saal auf einen Streich.

HINTERLAND 2016 — der Marktplatz für Kunst, Mode, Handwerk — im großes Kulturhaus Mestlin, mitten in Mecklenburg. 11.-13. November.

Gute Fahrt nach Mestlin!

Fotos: Reinhard Zabka

Beitragsfoto: André Wirsig

Dr. Susanne Köstering, Geschäftsführerin des Museumsverbandes Brandenburg, zur Verleihung des Kunstpreises an Reinhard Zabka am 15. 10. 2016:

„Sehr geehrter Herr Wendsche,

lieber Herr Zabka, liebe Frau Zabka,

Sehr geehrte Festgäste, liebe Freundinnen und Freunde der Kunst,

ich danke für die Ehre, anlässlich der Verleihung des Radebeuler Kunstpreises an Reinhard Zabka eine Laudatio sprechen zu dürfen. Meine kurze Rede besteht aus drei Teilen.

  1. Das Museum

1980 kauft Zabka eine alte Landarbeiterkate in Babe, einem Dorf im abgeschiedenen brandenburgischen Rhinluch. In diesem Künstlerhaus „erträumt“ er das Lügenmuseum als eine Wunderkammer mit skurrilen Objekten, die wie ein kleiner Wanderzirkus auf Wagen und Schlitten umherziehen.

1990 ist das Lügenmuseum dann tatsächlich in der Welt. Und heute ist es hier in Radebeul- Serkowitz.

Das Lügenmuseum spielt mit Wahrheit und Täuschung in einer Welt der Illusion. Wie ich es im Gutshaus Gantikow kennen gelernt habe, bestand es aus der Ausstellung mit Zabkas Kunstobjekten, den Installationen, Video- und Audioinszenierungen, einem im Rahmen internationaler Künstlersymposien und freiwilliger Sommercamps wachsenden Natur- und Kunstgarten, einer Freskogalerie an der Fassade des Gutshauses, die das Museum nach außen zu einem „Hingucker“ machte, und dem Seminarhaus mit Raumgestaltung nach seinen Entwürfen. An vielen Dingen hatten andere Künstlerinnen und Künstler mitgewirkt, aber Zabka führte die Regie.

Eine Besucherin hat das Lügenmuseum einmal als „Wunderhaus“ bezeichnet. Die Kunst- und Wunderkammer des 17./18. Jahrhunderts mit Gefundenem aus aller Welt und aller Zeit ersteht hier immer wieder neu. Alles ist zum Staunen: Ungesehenes, Unerhörtes, Nie Gekanntes. Menschengemachtes und Naturalien werden zu hintersinnig-sinnigen oder auch sinnfreien Objekten, die sich bewegen, die Geräusche und Klänge von sich geben, die leuchten, blinken und funkeln, die rattern, ruckeln, zuckeln oder leise klingeln, wie eigensinnige Wesen oder von solchen bewohnte Gehäuse.

Im Museum erzählt jedes Ding seine Geschichte. Hier führen die Dinge geheimnisvolle Theaterstücke auf, mal schaurig, mal lustig, mal mystisch, dann wieder ironisch – und immer poetisch.

Das ist schon außergewöhnlich und vor allem: erfrischend und inspirierend. Insofern war der brandenburgische Museumsverband immer stolz auf „sein“ Lügenmuseum in Gantikow: Als 1995 dem Verbandsvorstand der Aufnahmeantrag vorgelegt wurde, in dem es hieß: Emma von Hohenbüssow, 122 Jahre alt – ein Abbild zeigte ein italienisches Zwerghuhn – beantragt die Mitgliedschaft für das von ihr 1884 gegründete Lügenmuseum. Da sprang der Leiter des Potsdamer Naturkundemuseums auf: „Hühner können keine 122 Jahre alt werden!“ Schallendes Gelächter, die Aufnahme in die Museumscommunity war besiegelt. Wir haben es nie bereut, sondern im Gegenteil immer Freude an unserem Mitglied Lügenmuseum gehabt. Denn wir brauchen solche Museen, die mit Leichtigkeit Gedanken und Gefühle freisetzen und Neugier wecken.

Bald bemerkten auch die umliegenden Gemeinden, dass sie vom Zustrom der Museumsbesucher profitierten, nicht allein in Hinblick auf die Frequentierung von Herbergen und Gasthäusern in der Umgebung, sondern auch – so erstaunlich es auf den ersten Blick scheint – auf das Image der ländlichen Region. Diese barg plötzlich einen überraschend kreativen, offenen Raum, der gastfreundlich war und die Phantasie anregte. Nicht wenige Besucher verließen das Haus mit einem Schmunzeln und einer Heiterkeit, die lange nachwirkte. Und empfahlen es Freunden und Bekannten weiter. Man musste es einfach gesehen haben und dorthin pilgern.

  1. Wanderschaft

Die Wanderschaft zieht sich wie ein Roter Faden durch die Biografie des Lügenmuseums.

In Babe 1990 gegründet, zog es sieben Jahre später nach Gantikow und wiederum 14 Jahre später nach Radebeul. Traut man der mathematischen Reihe, wird es hier wohl 28 Jahre lang bleiben und dann weiterwandern.

Die Wanderschaft wohnt auch den Kunstwerken selbst inne: Oftmals sind es mobile Objekte, auch Reiseattribute wie Koffer, Wanderapotheken oder Wanderschuhe (Fontane!). Sie erzählen Geschichten von glücklichen Überfahrten oder Schiffbrüchen, wie Märchenerzähler unserer Lebensreise. Eine wundersame Form nehmen sie als begehbare Labyrinthe an. Labyrinthe leiten durch Irrungen und Wirrungen zur Mitte. Als ich 2009 das „Labyrinth der Wende“ in der St.-Marien-Kirche in Frankfurt/Oder sah, das Zabka zusammen mit anderen Künstlern gebaut hatte, war ich wie bezaubert. Aus banalen Obstkistenbrettern und Palettenholz (rosa angestrichen, Brandschutzfarbe!) hatte er ein fragiles Gebilde geschaffen, das wie selbstverständlich durch das Kirchenschiff mäanderte und den Fluss der flanierenden Menschen begleitete. Auch den Dachboden des kleinen Stadtmuseums in Eberswalde verwandelte er 1989 zeitweise in ein Labyrinth der Erinnerung: Die Menschen waren fasziniert. Diese Labyrinthe existieren nur für kurze Zeit. Unter offenem Himmel gehen sie schließlich furios in Flammen auf. Werden und Vergehen.

Die Wanderschaft prägt auch das Leben des Künstlers Reinhard Zabka alias Richard von Gigantikow: geboren 1950 in Erfurt als Sohn von Flüchtlingen aus Schlesien und Ostpreußen, entwickelt er sich ab 1968 schnell zum Oppositionellen. Seine Bewegungsfreiheit wird eingeschränkt: Er darf Erfurt nicht verlassen, muss sich wöchentlich bei der Polizei melden. Die Bewegung der evangelischen Kirche von unten bietet zeitweise Heimat, auch Freunde, mit denen er eine fiktive Kommune gründet. Er will ausreisen, aber sein Ausreiseantrag wird abgelehnt. Er verlegt seinen Wandertrieb in Kopf und Hand und beginnt zu malen. Zieht 1976 nach Berlin und teilt sich mit seinem künstlerischen Freund Albrecht Hillemann ein Atelier, sie experimentieren mit Siebdruck und bauen Skulpturen aus Fundsachen. Seit Mitte der 80er Jahre geht es los mit Straßenfesten, Straßenkunstaktionen, illegalen Veranstaltungen. Zabka hat nun sein eigenes Atelier, er macht mit beim Bödikerclub im Friedrichshain, gründet den „Club ohne Raum“, entwickelt sich zum subversiven Kunstjudoka. Während einer kurzen Zeit als Mitglied im Verband Bildender Künstler der DDR beteiligt er sich – mit anderen randständigen Künstlern – an einer Bezirkskunstausstellung am Alexanderplatz, und an weiteren Ausstellungen in Berlin, Dresden und Frankfurt/Oder. 1985 nimmt er an einer Personalausstellung  teil, die vom Evangelischen Kunstdienst organisiert wird, und stellt im Treppenhaus des Berliner Doms seine Installation „Götzen – Ismen – Fetische“ auf. 35.000 Besucher sehen das. Wenn er sich am Ende der DDR an Ausstellungen beteiligen durfte, dann nicht, weil die Staatsvertreter liberaler wurden, sondern weil sie die Übersicht verloren hatten,  wie ein Beobachter einmal feststellte. Sie merkten, dass seine Kunst subversiv war, konnten aber das Subversive darin nicht richtig dingfest machen.

Nach 1989 kann er endlich zum Weltkünstler werden, der er eigentlich immer schon war.

Die lange erträumte Reise nach Bali ist die Initialzündung für seine nunmehr globalen Aktivitäten. Von seinem Basislager Lügenmuseum aus zieht er durch die Welt. Er stellt in Indonesien, Thailand, Burma, Italien, Frankreich und auf den Philippinen aus und veranstaltet dort gemeinsam mit lokalen Künstlern soziale Kunstaktionen im öffentlichen Raum. Inspirationen aus anderen Weltgegenden bringt er nach Deutschland zurück, zum Beispiel auf den Neumarkt in Dresden, wo sich im vergangenen Sommer zum ersten Mal die „WuKaMenta“ niederließ, eine künstlerische Interaktion mit Menschen im öffentlichen Raum.

  1. Das Ziel der Reise

Zabkas Kunst kreist um Menschheitsthemen: das Rätsel, das Geheimnis, die Erinnerung, die Illusionen des Lebens und die Beseeltheit der Welt, und nicht zuletzt die Heiterkeit, die Freude.

Seine Kunst erreicht deshalb Menschen aller Weltgegenden, aller Altersgruppen und aller sozialen Milieus. Auch wer seine Kunst nicht versteht, öffnet ihr sein Herz. Sie setzt nicht nur die Phantasie der Betrachtenden frei, sondern auch deren eigene Gewitztheit.

Kürzlich konnte ich das live verfolgen. Zabkas Installationen waren zu Besuch im Berliner Martin-Gropius-Bau (Ausstellung „Gegenstimmen. Kunst in der DDR 1976-1989“). Ich habe die Besucher im Gropius-Bau beobachtet. Sie bildeten in der betreffenden Raumecke einen kleinen Pulk, schauten, staunten, lächelten, hielten inne. Hielten lange inne. Hielten sehr lange inne. Sie zeigten alle Merkmale konzentrierter Wahrnehmung. Die Aufmerksamkeit der Betrachter als das Ziel des Museums.

Die künstlerische Reise führt am Ende in den Geist und in das Herz der Betrachtenden.

Und da kommen Sie an. Dafür danke ich Ihnen, Herr Zabka, und ich gratuliere Ihnen herzlich zu  Ihrer heutigen Ehrung.“

Radebeul, 15. 10. 2016

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Laudatio von Dr. Susanne Köstering, Geschäftsführerin des Museumsverbandes Brandenburg. Foto: André Wirsig

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Musikalische Umrahmung durch Inéz Schäfer und Jan Heinke als Sammeltonium Wunderland. Foto: André Wirsig

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Verleihung des Kunstpreises der Großen Kreisstadt Radebeul an Reinhard Zabka am 15. Oktober 2016 im Weinkeller auf Schloss Wackerbarth. Foto: André Wirsig

Verleihung des Kunstpreises der Großen Kreisstadt Radebeul an Reinhard Zabka am 15. Oktober 2016 im Weinkeller auf Schloss Wackerbarth. Foto: André Wirsig

Fotos: André Wirsig​

Editorial 11-16 Von Ilona Rau. Vorschau & Rückblick Nov. 2016

Kulturpreis für Gründer des Lügenmuseums. Vom Nina Schirmer. Sächsische Zeitung 14.10.2016

Der Ideenmillionär aus Radebeul. Von André Schramm. Wochenkurier 19.10.2016

7. Oktober um 19 Uhr ist die Eröffnung der Ausstellung im Lügenmuseum Radebeul

Ausstellungsdauer: 08.10.2016 – 31.03.2017

WuKaMenta ist ein dreiteiliges Kunstprojektes. Der erste Teil fand im Juni zwei Wochen mit über dreißig Künstlern als Kunst im öffentlichen Raum auf dem Neumarkt Dresden statt. Der zweite Teil ist eine Präsentation der WuKamenta als Baustein der Feierlichkeiten zur Deutschen Einheit vor dem Rathaus Dresden. Der dritte Teil ist die Ausstellung WuKaMenta im Gasthof Serkowitz und bezieht sich auf 100 Jahre DaDa. Über 20 Künstler sind eingeladen zeitgenössische Positionen zu DaDa auszustellen.

Die Eröffnung des Cabaret Voltaire 1916 war der Urknall des künstlerischen Zweifelns. Eine Handvoll Kreativer lehnte alles Konventionelle ab und schuf stattdessen Anti-Kunst. So hat DaDa die Kunst für immer verändert und prägt sie bis heute: sinnfreie Gedichte wie die von Ernst Jandl, Punk-Gebete von Pussy Riot, Maschinen zur Belustigung im Lügenmuseum, Noise-Musik, Performance oder flüchtige Aktionskunst. Die Studentenbewegung von 1968 hat sich ebenso an DaDa orientiert, wie die ästhetischen Ausdrucksformen und bilderstürmerischen Installationen subkultureller Künstler in Ostdeutschland. Sie rebellierten gegen den Systemdruck, DaDa als totale Ablehnung gab die degenerierten Machtstrukturen der Lächerlichkeitspreis.

Künstler:

Perry Argel
Popke Bakker
Jola Brejdak
David Campesino
Silvio Colditz
Getulio Damado
Justus Ehras
Robert Frenzel
Richard von Gigantikow
Frank Herrmann
Dorothee Kletzsch
Otis Laubert
Klaus Liebscher
Annette Munk
Sebastian Quiroz
Reinhard Sandner
Madlyn Sauer
Olaf Spillner
Erwin Stache
Hilla Steinert

Fotos: André Wirsig​

Beitragsfoto: André Wirsig

26.11.2016 – DaDa wird 100 Jahre jung!


Banner zur Ausstellung WuKaMenta #serkowitz 2016 in der Weintraubenstraße in Radebeul

Presse:

Wunderkammer zum Staunnen Von Lilli Vostry, Sächsische Zeitung, 4. Januar 2017

Das Luegemuseum Radebeul feiert 100 Jahre Dadaismus Von Paul Felix Michaelis, DNN, 8. Oktober 2016

In der Wunderkammer Ausstellung anlaesslich 100 Jahre DaDa im Lügenmuseum Radebeul Von Lilli Vostry, meinwortgarten.com, 8. Oktober 2016

Veranstalter: Kunst der Lüge e. V.
Konzept und Organisation: Reinhard Zabka
Künstlerische Leitung: Richard von Gigantikow

Twitter: @luegenmuseum
Website: www.luegenmuseum.de
Facebook: Lügenmuseum
Beitragsfoto: André Wirsig

Förderer:

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Pilotphase vom 13.-26. Juni 2016 auf dem Dresdner Neumarkt.

Dresden, Paris, New York, aus dem Traum eines Künstlers entstand – WuKaMenta #neumarkt.

Mit der Idee des Schaudepots nähern sich die Museen wieder den Phänomen der Kunst- und Wunderkabinetten mit ihren Überraschungen.

Die WuKaMenta #neumarkt verlässt das Elitäre und geht zu den Menschen auf die Straße.

Täglich findet 17 Uhr etwas statt: Performances, Konzerte, Tanz und Theater.

33 Künstler agieren mit mobilen Galerien auf dem Neumarkt in Dresden.

Bildgalerie ° Fotos: André Wirsig

Wer macht bei WuKaMenta #neumarkt mit?

WuKaMenta #neumarkt – ist ein Labor, ein Markt, ein Festival und eine Messe.

Unterhalb der Wahrnehmungsschwelle „Kunst“ verunsichern die Interventionen mit „heimlich“ und „unheimlich“ changierenden Wechselbädern. Mobile Galerien mit wechselnden Künstlern und das Lügenmuseum sind vom 13.-26. Juni auf dem Neumarkt in Dresden zu erleben.

WuKaMenta #neumarkt eröffnet einen Erfahrungsaustausch zwischen lokalen, nationalen und internationalen Künstlern und Besuchern. Es versteht sich als Lern- und Erfahrungsort, als kritischer Impuls für den öffentlichen Raum, als Eingriff in das alltägliche Spannungsfeld von Dresden.

Veranstalter: Kunst der Lüge e. V.
Konzept: Reinhard Zabka, Juliane Vowinckel

Künstlerische Leitung: Richard von Gigantikow
Organisation: Tobias Heinemann

Twitter: @luegenmuseum
Website: www.luegenmuseum.de
Facebook: Lügenmuseum
Beitragsfoto: André Wirsig

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Zum jährlichen Herbst- und Weinfest in Radebeul kann man auf den Elbwiesen durch das wundersame Skulpturenlabyrinth wandeln und fantasievolle Bilderwelten erkunden.

Das Labyrinth aus Paletten und Abfallholz bildet eine temporäre Ausstellungsarchitektur, ein raffinierter Irrgarten, in dem sich die Zeit aufzulösen scheint. Richard von Gigantikow baut wieder mit seinem Team einen Skulpturengarten und wählt dazu den Kniff eines Museums ohne Dach. Rings umher entsteht ein Garten von verschwenderischer Fantasie, dessen labyrinthischer Zauber den Gehenden in Träumen und beschaulicher Betrachtung versinken lässt. Die Arbeitsweise scheint eher dem Theater entnommen, den freien Projekträumen, oder den Off-Spaces. Sie fangen einfach an zu bauen und lassen ihr labyMania fliegen, frech, bilderstürmerisch und frei. Es handelt sich dabei um eine ganz eigene Strategie der Präsentation von Gegenwartskunst im öffentlichen Raum. Wo, wenn nicht hier am Hundetanzplatz hinterm Deich. Immer wieder: Jetzt oder nie.

Als Symbol vom verworrenen Pfad des Lebens gehört das Labyrinth zu den ältesten Kulturgütern der Menschheit und ist angesichts einer ebenso komplexen wie undurchschaubaren Welt von hoher Aktualität. Ein Labyrinth zu begehen heißt: verstehen und nicht erklären, heißt einweihen und nicht belehren, heißt Mythos und Initiation.

Das feurige Finale löst alle Mühen auf.

Labymania 2016

jubiLaby ° 2015

Fotos: André Wirsig

labyLove ° 2014

Fotos: André Wirsig

labyParadi ° 2013

Fotos: André Wirsig

labyFari ° 2012

Fotos: André Wirsig, Foto 1, 3, 6, 7, 9: Olaf Spillner

labyLaMancha ° 2011

Fotos: André Wirsig

Beitragsfoto: André Wirsig

Richard von Gigantikow und sein internationales Künstlerteam erschaffen in fünf Tagen einen Ort der Begegnung und der Wunder.
Quelle: YouTube Kanal Video von SCHLUPP VIDEO

Das Labyrinth mit seinen Erbauer und Besucher.
Quelle: YouTube Kanal Video von SCHLUPP VIDEO

Der Skulpturengarten jubiLABY von Richard von Gigantikow geht am 27. September 2015 in Flammen auf.
Quelle: YouTube Kanal Video von SCHLUPP VIDEO

Beitragsfoto: André Wirsig

16. Juli bis 26. September 2016 ° Martin – Gropius – Bau, Berlin

Die Ausstellung zeigt Bildkunst, die auf einem vielzelligen, vitalen, angstlos agierenden Netzwerk selbstbewusster Maler, Dichter, Performer, Aktionisten, Super-8-Filmer, Jazz- und Rockmusiker aufbaut, die auf der staatsabgewandten Seite nach Freiräumen suchten. Die Kuratoren Eugen Blume und Christoph Tannert fragen nach den eigentlichen Helden, wie das Gedächtnis von den Ost-West-Vergleichen befreien kann und wie diese „andere“ Kunst aus der DDR zu erklären ist.

Der Ausstellungsbeitrag Interior Undergrund von Reinhard Zabka bezieht sich auf die Rauminszenierung Götzen-Ismen-Fetische im kaiserlichen Treppenhaus des Berliner Domes von 1985. Als Zabka vor 31 Jahren vom evangelischen Kunstdienst eingeladen wurde, da lud er einfach auch seinen Freund Albrecht Hillemann ein und entwickelte ein Konzept. Dann lud er noch 12 weitere Künstler ein, Objekte und Installationen für diese Ausstellung zu bauen. Diese Show sorgte für Furore und zog 35.000 Besucher an.

Intrior 12

Interior Undergrund ° Gegenstimmen. Kunst in der DDR 1976-1989 ° Martin Gropius Bau in Berlin ° 2016 ° Foto: Reinhard Zabka

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Götzen-Ismen-Fetische ° Berliner Dom ° 1985 ° Foto: Harald Hauswald

Reinhard Zabka, einer der Künstler vom Prenzlauer Berg in Berlin, organisierte Straßenfeste, Ausstellungen mit Besucherrekorden, illegale Veranstaltungen in seinem Atelier und wirkte in der Umweltbibliothek, dem Bödickerclub am Ostkreuz und der Galerie Weißer Elefant. In der Ostprignitz baute er 1980 aus seinem Sommeratelier ein Kunsthaus und veranstalte Workshops zur Vermittlung unkonventioneller künstlerischer Techniken.

Kuratoren: Eugen Blume und Christoph Tannert
Eröffnung: 15. Juli 2016 um 19 Uhr

Ausgewählte Pressebeiträge:

„Schaut, das ist Freisinn“ ° ZEIT online ° 6.8.2016

„Gegenstimmen. Kunst in der DDR 1976-1989“ ° der Freitag ° 28.7.2016

„Dagegenhalten“ ° ART Magazin ° 25.7.2016

„Schräge Vögel und morbid anmutende Bodenskulpturen“ ° mdr.de ° 22.7.2016

„Gegenstimmen“ Kunst in der DDR“ ° ARD Fernsehen ° 21.7. 2016

„Abseits des sozialistischen Realismus – dissidentische Kunst in DDR“ ° Berliner Umschau ° 18.7.2016

Die unerziehbaren Vögel“ ° taz.de ° 18.7.2016

„Optimismus ist nur ein Mangel an Informationen“ ° art in berlin ° 17.7.2016

„Der ungezähmte Osten“ ° DER TAGESSPIEGEL ° 16.7.2016

„Zwischen Wut, Aufbegehren und Melancholie“ ° MDR ° 16.7.2016

„Mehr als sozialistischer Realismus“ ° Deutschlandfunk ° 16.7.2016

„Gegenstimmen“ Gropius Bau zeigt dissidentische Kunst aus der DDR ° Berliner Zeitung ° 15.7.2016

„Bilder von Kampf mit der Macht“ ° rbb-online.de ° 15.7.2016

Gegenstimmen. Kunst in der DDR. Flyer Ansicht

WuKaMenta 13. – 26. Juni – ein Museum ohne Dach steht für unkonventionelle Vermittlung zeitgenössischer Kunst im öffentlichen Raum – das schwingende Spiel von 33 Künstlern mit mobilen Galerien lädt den Platz mit Leichtigkeit auf.

Zum Pressegespräch kommen die Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch, Silvio Colditz vom Maulkorbverlag, Roland Gorsleben Aktivist aus Vorpommern, Olaf und Möne Spillner ALP, (Arme Leute Partei) der Initiator Richard von Gigantikow Lügenmuseum und weitere beteiligte Künstler.

WuKaMenta #neumarkt – Pressebilder

Es ist uns gelungen die Biennale Künstlerin Hilla Steinert von Venedig nach Dresden einzuladen. Und sie ist gekommen und bis 23. Juni auf dem Neumarkt zu erleben. Letztes Jahr war sie in Südafrika zum Festival Infecting the City in Kapstadt. Und nun nimmt sie in Dresden die Wünsche der Passanten entgegen. Die durchweg positiven Beiträge verflicht sie mit Gras, das sie an der Elbe geerntet hat. Aus diesem Gras entsteht ein Knäul, ein Band, gebündeltes Bürgerpotential. Die Künstlerin wünscht sich, dass diese gesammelten Bürgerwünsche im Rathaus landen.

DSC03042

Gras und Wünsche, Hilla Steinert 
Foto: Richard von Gigantikow

Pressetermin 24.6, 15 Uhr

23. – 26. TanzKlangStaub, Kompositionen des Augenblicks, Gabriel Krappmann Musik und Ka Dietze Tanz
25. – 26. Operamania
26. Finissage, Klanghütte Hannes Heyne, Clown Lulu & Dieter Becker….

Viele dachten, dass diese Idee auf dem Neumarkt ziemlich daneben wäre. Dass dieser Platz eine lockere Atmosphäre bekommen kann ist verblüffend. Nach den ersten Verwünschungen, die in jeder Provinz zu ernten sind, haben Künstler vom Neumarkt Besitz ergriffen. César und Muriel aus Chile führten vor, wie mit einfachsten Dingen der Platz mit Leben gefüllt werden kann. Der Maler Klaus Liebscher erntete für sein Action Painting Beifall und führte ein Mädchen in diese Technik ein.

Actionpainting von Maler Klaus Liebscher. Wunderkammernfestival am 18. Juni 2016 auf dem Neumarkt in der Dresdner Altstadt. Foto: André Wirsig

Actions-Painting, Klaus Liebscher
Foto: André Wirsig

Für den Dresdner Stadtschreiber Peter Wawerzinek war seine Lesung ein grandioser Einstieg. Salon Tusch brachte mit einem Spiegelkabinet das subkulturelle Feeling der Neustadt über die Elbe.

Der neue Stadtschreiber Peter Wawerzinek liest bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in Dresden. Wunderkammernfestival am 21. Juni 2016 auf dem Neumarkt in der Dresdner Altstadt. Foto: André Wirsig

Ich – Dylan -Ich, Peter Wawerzinek  bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in Dresden
Foto: André Wirsig

Den Flair von Paris, New York oder Barcelona nach Dresden zu importieren, diese Idee stammt von Sixtina von Güterfelde der Katze des Initiators Richard von Gigantikow. Nach einer Woche lächelten die Passanten, beglückwünschen die Akteure für ihren Mut. Die Künstler fanden ihr Selbstverständnis und öffneten einen Lern- und Erfahrungsort für zeitgenössische Kunst.

Dieter Beckert, Irina Bugataja, Silvio Colditz, Specht Combo, Muriel Cornejo, Ka Dietze, Justus Ehras, Anke Ewers, Richard von Gigantikow, Roland Gorsleben, Frank Ole Haake, Uta Hauthal, Hannes Heyne, Anja Kaufhold, Dorothee Kletzsch, Klaus Liebscher, Joachim Lippmann, Anna Mateur, Nazanin Zandi, Tomomi Okuno,César Olhagaray, Jörg Richter, Martin Rotter, Olaf & Möne Spillner, Hilla Steinert, Peter Till, Salon Tusch, Sebastian Quiroz, Peter Wawerzinek, André Winkler und Andere.

Beitragsfoto: André Wirsig

Bildgalerie