Globe Theatre in Kannerwurf.
Foto: Reinhard Zabka

LügenLÄTTA  2017

Dankbar blicken wir auf das vergangene Jahr. Im Februar durfte ich die paradiesische Atmosphäre des ESC bei Chiangmai/Thailand genießen. Dort entwickelte ich neue Konzepte, welche Juliane Vowinckel und Thomas Gerlach begleiteten. Mit Tom, Schattenspielerin, boten wir einen Workshop für die Homeschool Kinder an.

WuKaMenta 2017 unter dem Motto »Anders Leben aber wie?«. Foto: André Wirsig

Der Rahmen der Internationalen Bauausstellung Thüringen führte uns im Mai auf einen Acker außerhalb des Dorfes Kannawurf an der thüringischen Pforte. Als Land-Art- Projekt »Feldversuch« bauten wir ein Theater nach Plänen des ersten europäischen Volkstheaters, des Globe Theatre.

Ilse (links) & Margarete »Sprechstunde für die Kunst des Zusammenlebens«. WuKaMenta 2017. Foto: André Wirsig

WuKaMenta, das Wunderkammerfestival auf dem Neumarkt, einem der größten innerstädtischen Plätze von Dresden setzte sich 2017 mit den gesellschaftlichen Spannungen im öffentlichen Raum auseinander. 33 Künstler wirkten mit neuen Ideen im »Museum ohne Dach«. Wunderkammern und Galerien als lebendige Objekte beflügelten die Interaktion zwischen Akteuren und Passanten.

Reparaturwerk*statt Demokratie. Radebeul 2017. Foto: Reinhard Zabka

Mit Thomas Herbst und Jan Heinke setzten wir uns im Juli 10 Tage dem Schaubudensommer aus.

Der stadtbekannte Skulpturengarten zum Weinfest in Radebeul wird seit 18 Jahren als Labyrinth von tausenden Besuchern gefeiert und endet in einem feurigen Spektakel. Dieses Jahr als Pop up Country LABYSTAN. Es erschien so unvorhersehbar wie ein Pop up Fenster auf einem Computerbildschirm. Als Reparaturwerkstatt Demokratie bot es eine Spielwiese für demokratisches Bewusstsein und belebte den Gemeinsinn. Inzwischen haben wir mehr als 1000 Labystaner Bürger.

Im Oktober eröffneten wir die Ausstellung Poetische Orte, das waren 22 Künstler mir ihren eigenen Museen und Institutionen. Gemeint sind nicht solche Investruinen des »Dr. Ludwig«: https://www.youtube.com/watch?v=P634_5Y2tJQ

Labystan beim Herbst- & Weinfest Radebeul. Foto: Reinhard Zabka

Natürlich verstehen wir, dass etliche Bürger mit Lügen nichts zu tun haben wollen. Uns geht es aber nicht darum, besser zu lügen. Die Unterscheidung zwischen vorsätzlicher Täuschung und ungenauer Interpretation der Wirklichkeit gab es in der Antike nicht. So gesehen ist die Lüge eine europäische Erfindung des mittelalterlichen Abendlandes. In unserem Diskurs geht es eher im Sinne von Picasso: »die Kunst ist eine Lüge, die uns helfe die Wahrheit zu erkennen, aber eben als Lüge«, das heißt, wir befinden uns immer auf schwankendem Boden.

Schaubudensommer 2017. Jan Heinke.
Foto: André Wirsig

Zahlreiche Kooperationspartner konnte wir gewinnen: Stiftung Frauenkirche, Dresden Respekt, Verkehrsmuseum, KulturAktiv, Ostrale, Galerie Raskolnikow, Universitas im Bauernhof Goßberg e. V., Kunsthaus KuKuLida, Stadt Dresden, Stadt Radebeul, HfBK, Dresden für Alle, Stadtmarketing, Kulturinsel Einsiedel, Blaues Haus, Galerie »Hole of Fame«, Kulturbüro Dresden, Osterbergstiftung, ipunct.de und viele andere.

Schaubudensommer 2017. Thomas Herbst.
Foto: André Wirsig

Der Kunst der Lüge e. V. lud im Dezember zu einer offenen Runde ein. Weiterhin bieten wir einen spannenden Austausch und interessante Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst und prozessuale Interventionen im öffentlichen Raum. In diesem Rahmen können Interessenten mitwirken und den Künstlern begegnen. Für den Erhalt des Gasthofs Sekowitz bitten wir um Mitwirkung.

Hartmut Dorschner zur Eröffnung Interieur Underground. Foto: André Wirsig

Dann eröffneten wir Interieur Underground, ein neuer Ausstellungsraum der Dauerausstellung des Lügenmuseum. Hinter einem Bücherregal treten die Besucher in eine konspirative Kunstsammlung, die, der Legende nach, 1992 bei Sanierungsarbeiten in einem barocken Haus in Erfurt entdeckt wurde. Dazu gab es 10 aktuelle Künstlerplakate und einen Katalog mit ’89 Geschichten ausgegrenzter Künstler.

»Zieh die Register – Mixt einen eigenen Sound. Geräusche aus der DDR« von Justus Ehras und Reinhard Zabka. Interieur Underground. Foto: André Wirsig

Die Sächsische Museumsstelle lehnte unseren Antrag auf Steuerbefreiung als Museen ab und wertete uns als performatives Gesamtkunstwerk. Knapp verfehlte das Lügenmuseum den Sächsischen Museumspreis. Die Bundeszentrale für Politische Bildung schlug die WuKaMenta für den Preis für Kulturelle Bildung vor. Zum Jahresende gab es wieder eine Pilgerbewegung nach Radebeul. Alle Welt wollte ihre über Bord geworfenen Vorsätze des vergangenen Jahres gegen Neue einzutauschen.

Folgt Euren Sternen rutscht gut ins neue Jahr voll positiver Wandlungen.
Wünschen Dorota und Reinhard

Skulpturengarten LABYSTAN beim Herbst- & Weinfest Radebeul 2017. Foto: André Wirsig

Neuer Raum in der Dauerausstellung Lügenmuseum
Eröffnung 9. Dezember 18.00 Uhr
Hartmut Dorschner — sax, Teresa Ende, Katharina Lenski, Thomas Gerlach, Gunhild Kreuzer, Ulli Sachse und Reinhard Zabka

– Die Kunst der DDR in Museen wird derzeit in den Medien heftig diskutiert.
– Im Albertinum wurde DDR Kunst abgehängt und führte zu einem Sturm der Entrüstung.
– DDR Kunstausstellung im Museum Barberini Potsdam erzielte Besucherrekorde. Diese Ausstellung wäre vor 30 Jahren sensationell gewesen.
Gegenstimmen. Kunst in DDR 1976-1989, im Martin-Gropius-Bau Berlin 2016 zeigte Kunstwerke als Kunstwerke, nicht als Zeitdokumente.
– Ausgegrenzte Künstler, die Avantgarde der friedlichen Revolution, sind in den Bundesdeutschen Museen unzureichend abgebildet.

Künstler der Gegenbewegung und der Subkultur der DDR lehnten dass Sichfügen etablierter Künstler in die gesellschaftlichen Formen ab. Ihre Taktlosigkeit ist ein in der Kunst äußerst schöpferischer Faktor. Dahinter steht die Haltung, dass Künstler, die sich vor dem Ungehörigen, der Geschmacklosigkeit und dem Skandal fürchten, nicht viel wert sind. So greift der Underground als Avantgarde die etablierte Kunst öffentlich an und spricht dieser die künstlerische Qualität ab. Aus dieser Perspektive gleichen die Bestände an staatstragender Kunst der DDR in den ostdeutschen Museen eher einer Bad Bank (eine Bank für schlechte Verpflichtungen) mit faulen Krediten.

Die ausgegrenzten Künstler der DDR hatten kaum Ausstellungsmöglichkeiten. Deshalb schenkten sie sich zu Geburtstagen und jeglichen Anlässen ihre unverkäufliche Kunst. Es entstanden in den Ateliers beachtliche Kunstsammlungen. Interieur Underground, ein neuer Ausstellungsraum der Dauerausstellung, beinhaltet solche Sammlungen. Der Eintritt erfolgt durch eine schmale Pforte hinter einem Bücherregal in ein konspiratives Hinterzimmer. Die Poesie des Untergrunds, die unkonventionellen Ideen der Demokratiebewegung, der Boheme und Subkultur in Ostdeutschland veranschaulichen die Macht der Phantasie im Angesicht der Zensur.

Katalog zur Ausstellung mit 89 Geschichten

Man sieht dem maroden Gasthof Serkowitz am Rand von Dresden nicht an, dass sich darin eines der phantastischsten Museen des deutschsprachigen Raumes befindet, das Lügenmuseum. Darin verweist der poetische Lügner auf das Wahre, dies gehört zu seiner Raffinesse. Es präsentiert ehemals zensierte Objekte und Installationen der DDR und Maschinen zur Belustigung, anarchische Apparate im ironischen Leerlauf.

Zum Ausstellungsraum gibt es aktuellen Künstlerplakate und einen Katalog mit 89 Geschichten: Künstler der DDR erzählen an Hand von Alltagsdingen über Ausgrenzung und Verfolgung. Die Ausstellung wird gefördert durch die Bundesstiftung Aufarbeitung und den Sächsischer Landesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes.

Auf der Spuren nach Erinnerungen. Foto: André Wirsig

Presse/Pressemitteilung

Künstlerplakate

Ausstellungshintergrund

Katalog: Layout Juliane Vowinckel, Textbearbeitung u. Lektorat Juliane Vowinckel, Gabriele Stötzer, Uta Hünniger, Gisela Streufert, Thomas Gerlach
Ausstellungsgestaltung: Uta Hünniger, Frank Herrmann, Justus Ehras, Reinhard Zabka
Öffentlichkeitsarbeit: Lilli Vostry
Künstlerische Leitung: Reinhard Zabka
Ort: Lügenmuseum, Kötzschenbrodaer Str. 39, 01445 Radebeul
Förderung: Bundesstiftung Aufarbeitung und der Sächsische Landesbeauftragte für Stasiunterlagen
Träger: Kunst der Lüge e. V.


 

 

Orange Alternative (Pomarańczowa Alternatywa)
Die Geburtsstunde der Orangen Alternative war während der studentischen Bewegungen Anfang der achtziger Jahre in Breslau. Als Gründer gilt Waldemar „Major“ Fydrych, der Geschichte und Kunstgeschichte an der Universität Breslau studierte.
Die Orange Alternative erreichte durch ihre Veranstaltungen, Aktionen und Happenings Bekanntheitsgrad. Während der zweiten Hälfte der achtziger Jahre erlangten Zwergengraffiti Ruhm und Berühmtheit und wurden zum Sinnbild der Bewegung. Die Graffiti wurden über Farbflecken gemalt, die das Regime über Freiheits- und Antiregierungsparolen der Solidarność-Bewegung pinselte.
Gemalt an die Wände einiger Dutzend Städte in Polen, überstieg die Anzahl der Zwerge die Tausend. Gelegentlich wird in diesem Zusammenhang von der größten Malereiausstellung in Polen gesprochen, berücksichtigt man die Tatsache, dass sie von einigen Millionen Menschen gesehen wurde.
Die Aktivitäten der Orangen Alternative vereinten in sich stets ein gesellschaftlich-politisches Maß mit künstlerischen Aspekten. Letztlich war und ist es ihr Ziel, durch ästhetische Veranstaltungen im individuellen Stil Freiheiten zu erlangen und gleichzeitig die gesellschaftliche, kulturelle und politische Normalität umzukrempeln.

Black House (Baan Dam), Chiang Rai, Thailand
Geheimnisvoll geht es hier zu, wenn man zwischen den rund 40 Monumenten umher bummelt, die allesamt in tiefschwarzem Holz errichtet wurden. Im Garten steht ein pechschwarzes Gebilde im U-Boot-Stil, und überall finden sich tierische Artefakte, Bärenfelle, Häute aller Art, Totenköpfe von Büffeln und ausgestopfte Reptilien. Auch ein riesiges Elefantenskelett ist ausgestellt sowie Möbel, die aus Tierknochen gemacht wurden.

Fotos: Reinhard Zabka

Thawan Duchanee Foto: Reinhard Zabka

Thawan Duchanee war als Surrealist berühmt – auch in Europa. Sein Markenzeichen war der lange, weiße Bart. Thawan Duchanee modernisierte mit seinen Motiven die traditionelle thailändische Kunst und wurde – trotz einiger Kontroversen – im Jahr 2001 in Thailand zum „Künstler des Jahres“ gekürt. Seit seinem Tod im 2014 pilgern hauptsächlich Einheimische an diesen „heiligen Ort“, um dem Künstler die letzte Ehre zu erweisen.

Empty Space Chiangmai (ESC) wurde am Rande von Reisfeldern gebaut, mit Blick auf die Berge von Myanmar. Es ist ein Komplex von 5 traditionellen Thai thailändischen Bauernhäusern in Nord-Thailand in der Nähe von Chiangmai.

ESC ist:
Künstler Residenzen
Theater- und Puppenspielstudio
Keramikstudio
Galerie
Landwirtschaft
Café
Alternative Ausbildung

Fotos: Reinhard Zabka

Manuel Lütgenhorst, 2008
Foto: Reinhard Zabka

Manuel Lütgenhorst wurde 1948 in München geboren. Im Jahr 1968 begann er eine preisgekrönte Karriere als Bühnenbild-, Kostüm- und Lichtgestalter, die er in New York im Jahr 1978 fortsetzte. 1984 begann er, asiatisches Theater und die interkulturelle Welt zu erkunden. In Bali gründete er 1989 die Art House Bona mit der Unterstützung internationaler Künstlerfreunde. Dieses Haus ist heute eine balinesische Tanzschule für die Dorfbewohner. Von dort aus kreierte er BBB, eine Reihe von internationalen Performance-Festivals in Bali, Bangkok, Chiang Mai, Berlin. ESC, im Jahr 1998 als Fortsetzung der Idee des Art House Bona gebaut, hat sich zu einem internationalen Zentrum für kulturelle Bildung entwickelt.

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Die Kulturinsel Einsidel Die Kulturinsel Einsidel ist ein Abenteuerfreizeitpark in der Gemeinde Neißeaue im Landkreis Görlitz in Sachsen. Der Park weist eine Größe von 7 Hektar auf.

Die Kulturinsel Einsiedel erhielt 2008 den Tourismuspreis und wurde im April 2009 als „ausgewählter Ort im Land der Ideen“ ausgezeichnet. Seit 2009 besuchen jedes Jahr mehr als 100.000 Menschen den Freizeitpark. Höhepunkt ist das jährlich am ersten Septemberwochenende stattfindende Festival der Kulturen „Folklorum“, das zweitgrößte Folkfestival Deutschlands.

Fotos: Dorota Zabka, Reinhard Zabka

Jürgen Bergmann, 2017
Foto: Reinhard Zabka

Die Firma Künstlerische Holzgestaltung Jürgen Bergmann gibt es seit 1990. Auf einem Waldbauernhof an der deutsch-polnischen Grenze fing alles an. Mit einem Mitarbeiter begann Jürgen Bergmann damals, hölzerne Objekte zum Be-Sitzen, Be-Spielen und Be-Greifen zu bauen. Eigenwilligkeit, Unikatgedanke und harte Arbeit kennzeichnen bis heute die Objekte, die sie erschaffen. Aus seinen ersten kulturellen Aktivitäten ist ein grüngeringelter Freizeitpark geworden – die Kulturinsel Einsiedel.

Bimbo Town war seit 2003 in der Leipziger Spinnerei ein wichtiges Projekt des englischen Aktionskünstlers Jim Whiting. Mit seinem Konzept „Unnatural Bodies“ erlangte er internationale Bedeutung. Seine lebenden Skulpturen, die durch Pressluft oder elektrische Antriebe ständig in Bewegung sind bildeten den Kern der Event-Location.

Ergänzt wurde das Ganze durch eine Vielzahl von Party-Gags, die das gesamte Publikum erfassten. Hüpfende Sessel und Stühle, das fressende Sofa, die berühmte Bettfahrt, schwebende Mäntel sind nur eine kleine Auswahl. Alles lebte von und mit dem Publikum. Ein Highlight dieser Interaktion war das Schaumbad, wo sich erhitzte Gäste erfrischen konnten.

Die richtige Würze erhielt Bimbo Town durch die regelmäßig auftretenden Aktionskünstler und Bands. Keine Party ohne Performance. Aus ganz Europa und natürlich auch aus der Region kamen die Künstler, die mit Akrobatik, Theaterspiel und skurrilen Clownereien das Publikum in Stimmung brachten. Bei den diversen Szenebands ging die Post dann richtig ab.

Bimbo Town Finissage gab es am 5. und 7. Mai 2017.

Foto: Reinhard Zabka

Jim Whiting
1951 in Paris geboren
ab 1959 London/England
seit 1979 freischaffender Künstler

Kunstschule Panketal

Fotos: Rose Schulze

Rose Schulze
Foto: Reinhard Zabka

Rose Schulze wurde 1952 in Zepernick geboren, studierte Malerei in der Kunsthochschule Berlin Weissensee, wurde dort Meisterschülerin und ist seit 1979 freischaffend tätig. Seit 1984 entwickelt sie neben der Malerei eine multimediale Bildsprache. Sie arbeitete mit Projektionen, schrieb Choreografien, entwarf Lichtinstallationen. Es gab multimediale
Projekte mit Komponisten wie Georg Katzer, Helmut Zapf, Lother Voigtländer, Arnold Dreybatt, Yueang Wang, mit Tänzern der Gruppe Grotest Maru, Christof Gräter, Roselle Gillam und vielen andreren.
Die in gemeinsamer Resonanz entstandenen Tanzstücke konnten in den Weltausstellungen in Sevilla und Hannover, zur Eröffnung der neuen Akademie der Künste in Berlin, zur Biennale für Visuelle Kunst in Varna, im Theater Rheinsberg, im Bauhaus-Theater Dessau und an vielen anderen Orten gezeigt werden.
Neben fotografischen Arbeiten entstehen Bilder, Lichtinstallationen, Landart, Wandmalereien. Studienreisen führten sie nach Bulgarien, Polen, Finnland und Island.

Beitragsbild: Rose Schulze