Bürokratischer Karneval in Sachsen!

Ab jetzt wird nicht mehr gelogen – es heißt Alternative Fakten!
Ferienaktion 12. Februar – 23. Februar ist das Lügenmsueum täglich geöffnet

Pünktlich zur fünften Jahreszeit zelebriert das Lügenmuseum als »Kultur-Forum für Alternative Fakten«, dass hundert Achtziggradwendungen parallel erscheinen, und garantiert vollen Genuss bei vollem Eintrittsgeld. Der wunderbare Name Lügenmuseum (der Legende nach bereits 1884 gegründet) hat 28 Jahre bestanden und wurde in den Medien gefeiert. Dass dieser Name nun aufgegeben werden soll bedauern viele Fans. Die Sächsische Landesstelle für Museumswesen SKD entschied, nach fünf Jahren Bearbeitung, dass es sich beim Lügenmuseum um kein Museum handelt. Sie vermutete, dass es sich um eine verzerrte Linse handelt, eine historisch aufbereitete Kulturgeschichte, untermauert durch eine Lügensammlung.

Muss das Lügenmuseum sich nun umbenennen?

In nutzlosen Absurdität einer schier schrankenlosen Maßlosigkeit setzt das Lügenmuseum noch eins drauf und nennt sich, solange es nur sinnlos genug ist – um die Welt zu retten: »Kultur-Forum alternativer Fakten«. »Alternative Fakten«, Unwort des Jahres 2017, sorgt für die nötige Negativwerbung, die allein mit einem sanierungsbedürftigen Gebäude nicht zu erreichen wäre. Negativwerbung nutzt den »Frame Effekt«, der auch funktioniert, denn alle Betrachter dieser Werbung zeigen auf jeden Fall irgendeine emotionale Reaktion. Mit dem Ambush Marketing (engl. Hinterhalt) setzt es sich in Szene. Der Jäger liegt am Busch und lauert auf Alternative Fakten. Auch wenn das Ganze verdächtig klingt, sind Ambush Maßnahmen wie Bankgeschäfte nur in Ausnahmefällen illegal – sie sind schlicht alternativlos.

Mit seinen fiktionalen Welten reibt sich der Künstler Richard von Gigantikow an deutschen Großprojekten. Das »Wahre Deutsch Historische Lügenmuseum« torpediert die Idee Helmut Kohls eines DHM, der »Zentralfriedhof für Investruinen« nimmt das Debakel BER aufs Korn, die WuKaMenta, das Wunderkammerfestival auf einem der größten innerstädtischen Plätze von Dresden setzte sich 2016 und 17 mit den gesellschaftlichen Spannungen im öffentlichen Raum auseinander und das »Kulturforum für alternative Fakten« ist die Vorwegnahme der Vollendung des Humbold-Forums mit fünf Generaldirektoren.

Eine Probefahrt wird Sie überzeugen. Das Lügenmuseum ist der Kontrapunkt, den wir brauchen, um den Wahnsinn dieser Zeit auszuhalten.

Reinhard Zabka

Foto: André Wirsig

Lügenmuseum finanziell in Bedrängnis
Nina Schirmer, sz-online.de, 8. Februar 2018