Bartłomiej Kiszka

Es gibt keinen Müll. Es gibt Dinge. DINGE kann man nicht zählen, zusammenzählen, aufzählen; unaufhörlich teilen sie sich, vermehren sich. Dinge kann man nicht benennen; sie stehen über der Sprache, die versucht, sie zu beschreiben. Dinge sind Formen, aber auch Farben, die wiederum Formen sind. Es gibt keinen Müll, lediglich weggeworfene Sachen, weggeworfen aus der Welt in die Welt hinein. Deren Wegwerfen ist also unmöglich, so, wie man die Form aus der Form nicht wegwerfen kann. Dinge, also auch Formen scheinen unendlich zu sein, was auch ermüdend ist. Dinge, Farben, Formen gibt es mehr als Worte, mit deren Hilfe man sie beschreiben könnte. Ein in hunderte, tausende Teile geteilter Gegenstand deformiert sich, nimmt eine neue Form an, wird zu einem neuen Wesen. Er wird selbständig. Die Form der Dinge bleibt den Worten überlegen; diese hinken immer hinterher im Versuch, die Dingen zu beschreiben. Die Worte werden die Form der Dinge nicht erreichen können, so, wie sie zu deren Wesen, zu einem existierenden oder einem potenziellen, nicht vordringen können. Ein Sperrmüllcontainer, ein Schrottplatz, das sind die besten Wörterbücher der Welt!


Bartłomiej Kiszka bei WuKaMenta #neumarkt 2017. Bilder: André Wirsig

Bartłomiej Kiszka
Geboren in Krakau.
Wohnt in Leipzig.

Beitragsbild: Bartłomiej Kiszka