RiRaRutsch zur DaDa–Dekade

Luther-Dekade trifft Dada-Dekade. Die 2012 gestartete DaDa–DEKADE hinterfragt 2017 unter dem Motto „Reformation, Revolution, Reklamation“ historische Ereignisse, die vor 500 bzw. 100 Jahren für Furore sorgten: Luthers Thesenanschlag und die Große Sozialistische Oktoberrevolution.

Dabei reagiert sie zugleich auf brisante gesellschaftspolitische Entwicklungen. Anlässlich des sechsten Themenjahres wird deshalb die alljährliche Performance „Neujahrsempfang“ mit einer Ausstellung des Ideenmillionärs Richard von Gigantikow verknüpft, den „DIE ZEIT“ als „letzten Dadaisten des wilden Ostens“ bezeichnete.

Der gebürtige Erfurter, der bereits in den 1980er Jahren mit spektakulären Kunst-Aktionen in der Ostberliner Szene am Prenzlauer Berg gegen die offizielle Kulturpolitik auftrat, ist bis heute unbequem geblieben. So intervenierte er im Juni 2016 mit der „WuKaMenta“ vor der Frauenkirche in Dresden und lud 33 internationale Künstler ein. Die Idee einer Ausstellung von „Wunderkammern zeitgenössischer Kunst im öffentlichen Raum“ wird 2017 fortgesetzt und die Frage beleuchten: „anders leben, aber wie?“
Sein Lügenmuseum, seit 2012 in Radebeul beheimatet, zeigt „Reliquien einer traumatisch eingestürzten Inneneinrichtung namens DDR“. Aus seinem reichen Fundus sind in Weimar Collagen, Installationen, Licht- und Klanginszenierungen zu sehen.

PRESSE: Künstler beziehen Stellung, 11.1.2017,welt.de


GLAUBE + HEIMAT, Mitteldeutsche Kirchenzeitung, 8.Januar 2017

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Beitragsfoto: André Wirsig

Beichsofa und Anarchische Apparate

Alternativer Jahresendausflug, das Lügenmuseum öffnet in den Weihnachtsferien wieder täglich seine Türen. 23.12.2016 – 2.1.2017. Das augenzwinkernde Lügenmuseum zeigt Maschinen zur Belustigung, anarchische Apparate im ironischen Leerlauf und  Dinge, die es gar nicht gibt.

Kunst oder keine Kunst ist hier die Frage nicht. Die Besucher sind begeistert von der optischen Überwältigung, von all den Objekten und Ideen, die, wie Wolken mit der Empfindung der Freiheit, durch die Räume des Lügenmuseums schweben. Die produktive Verwirrung dekonstruiert die Ausstellungsstücke zu sinnlosen Weihnachtsgeschenken und Weihnachtsbäumen aus aller Welt. Dekonstruieren bedeutet, die Ausstellungsobjekte zu hinterfragen, Paradoxien und Widersprüche aufzuspühren und dann einen eigenen Sinn zu erfinden. Auf einem multireligiösen Beichtsofa können die gute Vorsätze des alten Jahren gegen neue eingetauscht werden.

Ein unterhaltsames Ausflugsziel für die ganze Familie. Nach einer Einführung und einem Lügentee beginnt der Rundgang durch 10 Räume. Im historischen Tanzsaal ist die Ausstellung WuKaMenta – 100 Jahre DaDa mit 22 zeitgenössischen Künstlern bis 1.4.2017 zu sehen.

Richard v. Gigantikow

Foto: André Wirsig

LABYmania–Bilderclown & Hoffotograf

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Eröffnung: 29. Dezember 2016, 18 Uhr im Glashaus der Landesbühnen Sachsen

Musik: Jan Heinke

Sich dem Werk des Objektkünstlers Reinhard Zabka zu nähern, kommt dem Gang durch ein Labyrinth sehr nahe. Lange Jahre entwickelte er seine Arbeiten aus Protest gegen das bürgerliche Leben in der DDR und wurde von den Behörden permanent unterdrückt. Und auch heute will er die Menschen dazu anregen, „um die Ecke zu denken“, in seinen Objekten und Labyrinthen hinter der vermeintlichen Lüge, die Wahrheit zu entdecken. Schon sein Lebensweg ist keineswegs geradlinig. Er begann in Erfurt, wo er 1950 geboren wurde, ging über Berlin, Babe und Gantikow in Brandenburg bis nach Radebeul, wo er das Lügenmuseum seit 2012 im alten Gasthof Serkowitz betreibt.
Bereits seit 1999 ist er Meister des „Feurigen Finales“ zum Herbst- und Weinfest in Altkötzschenbroda. Und mit dem Labyrinth aus Altholz gestaltet er seit 2000 einen Anziehungspunkt, der allein am Sonntagabend 10.000 Besucher begeistert.
Mit dem Radebeuler Fotografen, André Wirsig, hat Reinhard Zabka einen kongenialen Partner gefunden, der seit 2000 die Entstehung des Skulpturenlabyrinthes auf den Elbwiesen, die Begeisterung der Besucher und die Faszination des „Finale Grande“ mit seiner Kamera begleitet und in eindrucksvolle Bilder umgesetzt hat.

Ausstellung bis Ende Februar 2017

Zwischen Wahrheit, Lüge und altem Krempel.“ ° Von Nina Schirmer ° Sächsische Zeitung ° 30.12.2016

Beitragsfoto: Annelie Brux

Interior Underground — Raumgestaltung und Katalog

Interior Underground ist der Titel einer geplanten Rauminszenierung im Lügenmuseum Radebeul. Sie soll Kunstwerke randständiger und ausgeblendeter Bildender Künstler der DDR zeigen. Diese Rauminszenierung und die dazugehörige Publikation sollen Einsichten in die ästhetischen Ausdrucksformen subkultureller Künstler einschließlich bilderstürmerischer Installationen der friedlichen Revolution in Ostdeutschland aus dem Zeitraum 1968 bis 1990 vermitteln.

Der Raum Interior Underground ist als Bestandteil des Rundganges durch die Dauerausstellung des Lügenmuseums gedacht. Der neue Raum möchte das Thema vertiefen und reiht sich thematisch zu den Räumen Atelier eines Dissidenten, Kathedrale des Sozialismus, Grüße von Überall und immer bereit. Der Eintritt erfolgt im vierten Ausstellungsraum des Lügenmuseums durch einen Schrank und eine schmale Pforte in ein verborgenes Hinterzimmer. Dies gibt dem Raum eine konspirative Atmosphäre.
Die Aktivisten der friedlichen Revolution konnten mit ihren Kulturtechniken und überzeugendem inneren Gewicht die Herzen der Menschen erreichen. Nach der ersten Euphorie des Mauerfalls aber waren sie auf der Verliererseite gelandet. Ihre unabhängig entwickelten Kunstformen waren unscheinbar und nicht besonders spektakulär im Rahmen der unzähligen neuen Eindrücke. Ihre Hoffnung, dass diese eigene Sprache und Kultur in dem vereinten Deutschland gewürdigt und einbezogen werde, wurde enttäuscht. Heute spürt man in Ostdeutschland den Mangel eigener Kultur und Identitäten.
Der Raum erzählt die Geschichte ausgegrenzter und randständiger Künstler, in einem politisch obsoleten System. Die Besucher können die Um- und Aufbrüche in autobiografischen Objekten, Episoden voller Energie und Verzweiflung erleben und wie es ihnen gelang zwischen Wut, Spaß und Träumen nicht gebrochen zu werden. Sie erfahren etwas über die Art, wie sie mit Herausforderungen umgingen und wie sie ihren Weg bis heute fanden.
In dem Raum wird Zeitgeschichte lebendig und berührend, wie sie sonst kaum greifbar wird. Mit dem digital aufbereiteten Material wird eine Wanderausstellung gestaltet. In dem geplanten begleitenden Katalog werden Ausstellungsobjekte mit kurzen Geschichten in Beziehung gesetzt und können im Geschichtsunterrischt eingesetzt werden. Darin wollen wir kleine spritzige Geschichten mit Bis erzählen, um sie nicht zu vergessen.

Für die Raumgestaltung Interieur Underground erhielten wir eine Zusage der Stiftung Aufarbeitung. Dazu soll es einen Katalog und eine Wanderausstellung geben. Wer kurze Geschichten von Lebenssituationen und Fotos von Räumen oder Installationen randständiger oder/und ausgegrenzter Künstler beisteuern will, antworte unter obigem Stichwort an info@luegenmuseum.de

26.11.2016 – DaDa wird 100 Jahre jung!

DaDaMenta trifft WuKaMenta

100 Jahre DaDa – die Geburtstagsfeierlichkeiten eröffnen das Lutherjahr!

26. 11. 2016 um 19 Uhr, Lügenmuseum Radebeul, der Eintritt ist frei

In Zürich wurde das Jubiläum der antikünstlerischen Bewegung DaDa groß gefeiert. Im Elbtal blieb es ruhig, Pegida wurde als dadaistische Bewegung nicht anerkannt. Nach Luther, der die deutsche Schriftsprache einführte und der freikirchlichen Reformbewegungen im 19. Jahrhundert, folgte DaDa, als dritte Welle des reformfreudigen Christentums. Anfang des 20 Jahrhunderts befreite DaDa der Sprache vom Sinn. Beuys erweiterte den Kunstbegriff, Zabka erweiterte das Museum und Dario Fo spielte lieber auf öffentlichen Plätzen. DaDa ist antikünstlerische Geste, raumfüllende Ausstellungsästhetik und aufwühlende Geisteshaltung mit Biß, sie findet im Lügenmuseum den befruchtenden Rahmen.

WuKaMenta: ein dreiteiliges Kunstprojekt. Dreiunddreißig Künstlern bespielten im Juni zwei Wochen den öffentlichen Raum, Neumarkt Dresden. Als Baustein der Feierlichkeiten zur Deutschen Einheit präsentierte die WuKaMenta vor dem Rathaus Dresden einen Beitrag für die Bewerbung um die Kulturhauptstadt 2025. Die Ausstellung WuKaMenta #serkowitz, 100 Jahre DaDa zeigt 20 zeitgenössische Künstler im Lügenmuseum Radebeul.

Pastor Leumund, Performer, dadaistischer Gottesdienst,
Michael von Hintzenstern und Tim Helbig daddeln Kurt Schwitters: „Sonate in Urlauten“ mit Schlagzeug.

Ausstellende Künstler: Perry Argel, Popke Bakker, Jola Brejdack, David Campesino, Silvio Colditz, Getulio Damado, Justus Ehras, Robert Frenzel,Richard von Gigantikow, Michael von Hintzenstern, Frank Hermann, Dorothee Kletzsch, Otis Laubert, Klaus Liebscher, Anna Mateur, Annette Muck, Sebastian Quiroz, Madlyn Sauer, Reinhard Sandner, Rose Schulze, Olaf Spillner, Erwin Stache, Hilla Steinert, André Wirsig.

Beitragsfoto: André Wirsig

Förderer:



 

Hinterland im Kulturhaus Mestlin

Wer Sehnsucht nach dem Lügenmuseum hat: Ein Ausflug in das herbstliche Hügelland, HINTERLAND, ein sympathischer Markt für alle, die ein besonderes Geschenk suchen, das sozialistische Musterdorf Mestlin und das Lügenmuseum im Saal auf einen Streich.

HINTERLAND 2016 — der Marktplatz für Kunst, Mode, Handwerk — im großes Kulturhaus Mestlin, mitten in Mecklenburg. 11.-13. November.

Gute Fahrt nach Mestlin!

Fotos: Reinhard Zabka

Beitragsfoto: André Wirsig

Radebeuler Kunstpreis 2016

Dr. Susanne Köstering, Geschäftsführerin des Museumsverbandes Brandenburg, zur Verleihung des Kunstpreises an Reinhard Zabka am 15. 10. 2016:

„Sehr geehrter Herr Wendsche,

lieber Herr Zabka, liebe Frau Zabka,

Sehr geehrte Festgäste, liebe Freundinnen und Freunde der Kunst,

ich danke für die Ehre, anlässlich der Verleihung des Radebeuler Kunstpreises an Reinhard Zabka eine Laudatio sprechen zu dürfen. Meine kurze Rede besteht aus drei Teilen.

  1. Das Museum

1980 kauft Zabka eine alte Landarbeiterkate in Babe, einem Dorf im abgeschiedenen brandenburgischen Rhinluch. In diesem Künstlerhaus „erträumt“ er das Lügenmuseum als eine Wunderkammer mit skurrilen Objekten, die wie ein kleiner Wanderzirkus auf Wagen und Schlitten umherziehen.

1990 ist das Lügenmuseum dann tatsächlich in der Welt. Und heute ist es hier in Radebeul- Serkowitz.

Das Lügenmuseum spielt mit Wahrheit und Täuschung in einer Welt der Illusion. Wie ich es im Gutshaus Gantikow kennen gelernt habe, bestand es aus der Ausstellung mit Zabkas Kunstobjekten, den Installationen, Video- und Audioinszenierungen, einem im Rahmen internationaler Künstlersymposien und freiwilliger Sommercamps wachsenden Natur- und Kunstgarten, einer Freskogalerie an der Fassade des Gutshauses, die das Museum nach außen zu einem „Hingucker“ machte, und dem Seminarhaus mit Raumgestaltung nach seinen Entwürfen. An vielen Dingen hatten andere Künstlerinnen und Künstler mitgewirkt, aber Zabka führte die Regie.

Eine Besucherin hat das Lügenmuseum einmal als „Wunderhaus“ bezeichnet. Die Kunst- und Wunderkammer des 17./18. Jahrhunderts mit Gefundenem aus aller Welt und aller Zeit ersteht hier immer wieder neu. Alles ist zum Staunen: Ungesehenes, Unerhörtes, Nie Gekanntes. Menschengemachtes und Naturalien werden zu hintersinnig-sinnigen oder auch sinnfreien Objekten, die sich bewegen, die Geräusche und Klänge von sich geben, die leuchten, blinken und funkeln, die rattern, ruckeln, zuckeln oder leise klingeln, wie eigensinnige Wesen oder von solchen bewohnte Gehäuse.

Im Museum erzählt jedes Ding seine Geschichte. Hier führen die Dinge geheimnisvolle Theaterstücke auf, mal schaurig, mal lustig, mal mystisch, dann wieder ironisch – und immer poetisch.

Das ist schon außergewöhnlich und vor allem: erfrischend und inspirierend. Insofern war der brandenburgische Museumsverband immer stolz auf „sein“ Lügenmuseum in Gantikow: Als 1995 dem Verbandsvorstand der Aufnahmeantrag vorgelegt wurde, in dem es hieß: Emma von Hohenbüssow, 122 Jahre alt – ein Abbild zeigte ein italienisches Zwerghuhn – beantragt die Mitgliedschaft für das von ihr 1884 gegründete Lügenmuseum. Da sprang der Leiter des Potsdamer Naturkundemuseums auf: „Hühner können keine 122 Jahre alt werden!“ Schallendes Gelächter, die Aufnahme in die Museumscommunity war besiegelt. Wir haben es nie bereut, sondern im Gegenteil immer Freude an unserem Mitglied Lügenmuseum gehabt. Denn wir brauchen solche Museen, die mit Leichtigkeit Gedanken und Gefühle freisetzen und Neugier wecken.

Bald bemerkten auch die umliegenden Gemeinden, dass sie vom Zustrom der Museumsbesucher profitierten, nicht allein in Hinblick auf die Frequentierung von Herbergen und Gasthäusern in der Umgebung, sondern auch – so erstaunlich es auf den ersten Blick scheint – auf das Image der ländlichen Region. Diese barg plötzlich einen überraschend kreativen, offenen Raum, der gastfreundlich war und die Phantasie anregte. Nicht wenige Besucher verließen das Haus mit einem Schmunzeln und einer Heiterkeit, die lange nachwirkte. Und empfahlen es Freunden und Bekannten weiter. Man musste es einfach gesehen haben und dorthin pilgern.

  1. Wanderschaft

Die Wanderschaft zieht sich wie ein Roter Faden durch die Biografie des Lügenmuseums.

In Babe 1990 gegründet, zog es sieben Jahre später nach Gantikow und wiederum 14 Jahre später nach Radebeul. Traut man der mathematischen Reihe, wird es hier wohl 28 Jahre lang bleiben und dann weiterwandern.

Die Wanderschaft wohnt auch den Kunstwerken selbst inne: Oftmals sind es mobile Objekte, auch Reiseattribute wie Koffer, Wanderapotheken oder Wanderschuhe (Fontane!). Sie erzählen Geschichten von glücklichen Überfahrten oder Schiffbrüchen, wie Märchenerzähler unserer Lebensreise. Eine wundersame Form nehmen sie als begehbare Labyrinthe an. Labyrinthe leiten durch Irrungen und Wirrungen zur Mitte. Als ich 2009 das „Labyrinth der Wende“ in der St.-Marien-Kirche in Frankfurt/Oder sah, das Zabka zusammen mit anderen Künstlern gebaut hatte, war ich wie bezaubert. Aus banalen Obstkistenbrettern und Palettenholz (rosa angestrichen, Brandschutzfarbe!) hatte er ein fragiles Gebilde geschaffen, das wie selbstverständlich durch das Kirchenschiff mäanderte und den Fluss der flanierenden Menschen begleitete. Auch den Dachboden des kleinen Stadtmuseums in Eberswalde verwandelte er 1989 zeitweise in ein Labyrinth der Erinnerung: Die Menschen waren fasziniert. Diese Labyrinthe existieren nur für kurze Zeit. Unter offenem Himmel gehen sie schließlich furios in Flammen auf. Werden und Vergehen.

Die Wanderschaft prägt auch das Leben des Künstlers Reinhard Zabka alias Richard von Gigantikow: geboren 1950 in Erfurt als Sohn von Flüchtlingen aus Schlesien und Ostpreußen, entwickelt er sich ab 1968 schnell zum Oppositionellen. Seine Bewegungsfreiheit wird eingeschränkt: Er darf Erfurt nicht verlassen, muss sich wöchentlich bei der Polizei melden. Die Bewegung der evangelischen Kirche von unten bietet zeitweise Heimat, auch Freunde, mit denen er eine fiktive Kommune gründet. Er will ausreisen, aber sein Ausreiseantrag wird abgelehnt. Er verlegt seinen Wandertrieb in Kopf und Hand und beginnt zu malen. Zieht 1976 nach Berlin und teilt sich mit seinem künstlerischen Freund Albrecht Hillemann ein Atelier, sie experimentieren mit Siebdruck und bauen Skulpturen aus Fundsachen. Seit Mitte der 80er Jahre geht es los mit Straßenfesten, Straßenkunstaktionen, illegalen Veranstaltungen. Zabka hat nun sein eigenes Atelier, er macht mit beim Bödikerclub im Friedrichshain, gründet den „Club ohne Raum“, entwickelt sich zum subversiven Kunstjudoka. Während einer kurzen Zeit als Mitglied im Verband Bildender Künstler der DDR beteiligt er sich – mit anderen randständigen Künstlern – an einer Bezirkskunstausstellung am Alexanderplatz, und an weiteren Ausstellungen in Berlin, Dresden und Frankfurt/Oder. 1985 nimmt er an einer Personalausstellung  teil, die vom Evangelischen Kunstdienst organisiert wird, und stellt im Treppenhaus des Berliner Doms seine Installation „Götzen – Ismen – Fetische“ auf. 35.000 Besucher sehen das. Wenn er sich am Ende der DDR an Ausstellungen beteiligen durfte, dann nicht, weil die Staatsvertreter liberaler wurden, sondern weil sie die Übersicht verloren hatten,  wie ein Beobachter einmal feststellte. Sie merkten, dass seine Kunst subversiv war, konnten aber das Subversive darin nicht richtig dingfest machen.

Nach 1989 kann er endlich zum Weltkünstler werden, der er eigentlich immer schon war.

Die lange erträumte Reise nach Bali ist die Initialzündung für seine nunmehr globalen Aktivitäten. Von seinem Basislager Lügenmuseum aus zieht er durch die Welt. Er stellt in Indonesien, Thailand, Burma, Italien, Frankreich und auf den Philippinen aus und veranstaltet dort gemeinsam mit lokalen Künstlern soziale Kunstaktionen im öffentlichen Raum. Inspirationen aus anderen Weltgegenden bringt er nach Deutschland zurück, zum Beispiel auf den Neumarkt in Dresden, wo sich im vergangenen Sommer zum ersten Mal die „WuKaMenta“ niederließ, eine künstlerische Interaktion mit Menschen im öffentlichen Raum.

  1. Das Ziel der Reise

Zabkas Kunst kreist um Menschheitsthemen: das Rätsel, das Geheimnis, die Erinnerung, die Illusionen des Lebens und die Beseeltheit der Welt, und nicht zuletzt die Heiterkeit, die Freude.

Seine Kunst erreicht deshalb Menschen aller Weltgegenden, aller Altersgruppen und aller sozialen Milieus. Auch wer seine Kunst nicht versteht, öffnet ihr sein Herz. Sie setzt nicht nur die Phantasie der Betrachtenden frei, sondern auch deren eigene Gewitztheit.

Kürzlich konnte ich das live verfolgen. Zabkas Installationen waren zu Besuch im Berliner Martin-Gropius-Bau (Ausstellung „Gegenstimmen. Kunst in der DDR 1976-1989“). Ich habe die Besucher im Gropius-Bau beobachtet. Sie bildeten in der betreffenden Raumecke einen kleinen Pulk, schauten, staunten, lächelten, hielten inne. Hielten lange inne. Hielten sehr lange inne. Sie zeigten alle Merkmale konzentrierter Wahrnehmung. Die Aufmerksamkeit der Betrachter als das Ziel des Museums.

Die künstlerische Reise führt am Ende in den Geist und in das Herz der Betrachtenden.

Und da kommen Sie an. Dafür danke ich Ihnen, Herr Zabka, und ich gratuliere Ihnen herzlich zu  Ihrer heutigen Ehrung.“

Radebeul, 15. 10. 2016

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Laudatio von Dr. Susanne Köstering, Geschäftsführerin des Museumsverbandes Brandenburg. Foto: André Wirsig

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Musikalische Umrahmung durch Inéz Schäfer und Jan Heinke als Sammeltonium Wunderland. Foto: André Wirsig

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Verleihung des Kunstpreises der Großen Kreisstadt Radebeul an Reinhard Zabka am 15. Oktober 2016 im Weinkeller auf Schloss Wackerbarth. Foto: André Wirsig

Verleihung des Kunstpreises der Großen Kreisstadt Radebeul an Reinhard Zabka am 15. Oktober 2016 im Weinkeller auf Schloss Wackerbarth. Foto: André Wirsig

Fotos: André Wirsig​

Editorial 11-16 Von Ilona Rau. Vorschau & Rückblick Nov. 2016

Kulturpreis für Gründer des Lügenmuseums. Vom Nina Schirmer. Sächsische Zeitung 14.10.2016

Der Ideenmillionär aus Radebeul. Von André Schramm. Wochenkurier 19.10.2016

WuKaMenta #serkowitz — 100 Jahre DADA

7. Oktober um 19 Uhr ist die Eröffnung der Ausstellung im Lügenmuseum Radebeul

Ausstellungsdauer: 8. 10.-31. 12. 2016

WuKaMenta ist ein dreiteiliges Kunstprojektes. Der erste Teil fand im Juni zwei Wochen mit über dreißig Künstlern als Kunst im öffentlichen Raum auf dem Neumarkt Dresden statt. Der zweite Teil ist eine Präsentation der WuKamenta als Baustein der Feierlichkeiten zur Deutschen Einheit vor dem Rathaus Dresden. Der dritte Teil ist die Ausstellung WuKaMenta im Gasthof Serkowitz und bezieht sich auf 100 Jahre DaDa. Über 20 Künstler sind eingeladen zeitgenössische Positionen zu DaDa auszustellen.

Die Eröffnung des Cabaret Voltaire 1916 war der Urknall des künstlerischen Zweifelns. Eine Handvoll Kreativer lehnte alles Konventionelle ab und schuf stattdessen Anti-Kunst. So hat DaDa die Kunst für immer verändert und prägt sie bis heute: sinnfreie Gedichte wie die von Ernst Jandl, Punk-Gebete von Pussy Riot, Maschinen zur Belustigung im Lügenmuseum, Noise-Musik, Performance oder flüchtige Aktionskunst. Die Studentenbewegung von 1968 hat sich ebenso an DaDa orientiert, wie die ästhetischen Ausdrucksformen und bilderstürmerischen Installationen subkultureller Künstler in Ostdeutschland. Sie rebellierten gegen den Systemdruck, DaDa als totale Ablehnung gab die degenerierten Machtstrukturen der Lächerlichkeitspreis.

Künstler:

Perry Argel, Popke Bakker, Jola Brejdak, David Campesino, Silvio Colditz, Getulio Damado, Justus Ehras, Robert Frenzel, Richard von Gigantikow, Frank Herrmann, Dorothee Kletzsch, Otis Laubert, Klaus Liebscher, Annette Munk, Sebastian Quiroz, Reinhard Sandner, Madlyn Sauer, Olaf Spillner, Erwin Stache, Hilla Steinert

Fotos: André Wirsig​

Beitragsfoto: André Wirsig

26.11.2016 – DaDa wird 100 Jahre jung!

Presse:

Wunderkammer zum Staunnen Von Lilli Vostry, Sächsische Zeitung, 4. Januar 2017

Das Luegemuseum Radebeul feiert 100 Jahre Dadaismus Von Paul Felix Michaelis, DNN, 8. Oktober 2016

In der Wunderkammer Ausstellung anlaesslich 100 Jahre DaDa im Lügenmuseum Radebeul Von Lilli Vostry, meinwortgarten.com, 8. Oktober 2016

Veranstalter: Kunst der Lüge e. V.
Konzept und Organisation: Reinhard Zabka
Künstlerische Leitung: Richard von Gigantikow

Twitter: @luegenmuseum
Website: www.luegenmuseum.de
Facebook: Lügenmuseum
Beitragsfoto: André Wirsig

Förderer:

WuKaMenta #rathaus

Interventionen im öffentlichen Raum — Zeitgenössische Wunderkammern
3 Tage lang, 1.-3.10.2016, vor dem Dresdner Rathaus

Silvio Colditz, Der Maulkorb
Justus Ehras, Elektrischer Unfug
Richard v. Gigantikow, Mobile Galerien
Dorothee Kletzsch, Normal mit Flügeln
Klaus Liebscher, Aktions – Painting
Silvia Gräff
Ljuba Schmidt

Fotos: André Wirsig

WuKaMenta 2016 #neumarkt – das waren 14 Tage im heißen Juni mitten in Dresden. 33 lokale, regionale und internationale Künstler belebten mit Installationen, Performances und Aktionen den Neumarkt. Die Idee, kleine Wunderkammern auf einem der größten innerstädtischen Platz zu erschaffen und Galerien zu lebendigen Objekten zu entwickeln beflügelte die Interaktion zwischen den Menschen.
„Volt Dilma! Volta guerida!“ „Was für ein großartiges und mutiges Fest.“Gästebuch

Der zweite Teil wird zu den deutschlandsweiten Feierlichkeiten der Deutschen Einheit im Rahmen der Dresdner Präsentation auf dem Bürgerfest vor dem Rathaus realisiert. Sieben Galerien werden zu einer Skulptur verbunden und Objekte aus dem Lügenmuseum, von der Ausstellung Labyrinth Deutsche Einheit, unverbesserlich — 25 Jahre friedliche Revolution und Künstler, die bei WuKaMenta #neumarkt  mitgewirkt haben, eingeladen.

Die Landeshauptstadt Dresden ist an Kunst im öffentlichen Raum sehr interessiert und will sich u.a. mit diesen und ähnlichen Beiträgen für die Bewerbung Dresdens zur Kulturhauptstadt 2025 profilieren. Diese Installation wird gegenüber der Präsentation zur Bewerbung um die Kulturhauptstadt zu sehen sein. Wir präsentieren unsere Broschüre über die WuKaMenta #neumarkt.

Das Ziel des Pilotprojektes WuKaMenta 2016 #neumarkt bestand darin, zu testen, ob eigenwillige und fremde Kunst auf dem Platz bestehen kann. Viel Engagement und Energie wurde in das Projekt gelegt. Durchhaltevermögen war gefragt. Menschen kamen und gingen – Unterstützer, Auf- und Abbauhelfer konnten auch während der gesamten Zeit – manchmal sehr spontan – gewonnen werden.
Wir bringen die positive Reaktionen, Glückwünsche und Gratulationen für den Mut, auf diesem Neumarkt tätig zu werden vor das Rathaus. Es gelang auf einem touristisch geprägten Platz, mit unterschiedlichen Stimmungen und sehr unterschiedlichen Künstlern, Begegnungen wie in einem offenen Atelier zu ermöglichen.

Die Galerien werden täglich ab 11:00-20:00 Uhr mit den Künstlern bespielt. Die Installation wird auf dem Gehweg aufgebaut 4 x 16 m und weitere Skulpturen den gegebenen Bedingungen auf der Straße positioniert.

Der Abbau erfolgt am Freitag und Rücktransport am Montag Abend.

Lokal, Regional und International gab es zahlreiches und sehr positives Feedback. Der Neumarkt als wichtiger touristischer Platz in Dresden bot mit der WuKaMenta 2016 den internationalen und regionalen Besuchern ein niederschwelliges kulturelles Angebot. Für künstlerische Interventionen der professionellen, autodidaktischen und dilettantischen Künstlerszene aus ganz Europa bietet der Neumarkt eine überaus geeignete Plattform. Der Platz ermöglicht eine unkonventionelle Vermittlung zeitgenössischer Kunst im öffentlichen Raum – praktizieren, beispielhaft präsentieren, anregend, inspirierend – einer Übungsstunde gleich.

Der 3. Teil der WuKaMenta, WuKaMenta #serkowitz, wird am 7. Oktober als Ausstellung um 19 Uhr im Lügenmuseum eröffnet.

Veranstalter: Kunst der Lüge e. V.
Konzept und Organisation: Reinhard Zabka
Künstlerische Leitung: Richard von Gigantikow

Twitter: @luegenmuseum
Website: www.luegenmuseum.de
Facebook: Lügenmuseum
Beitragsfoto: André Wirsig

Förderer:

WuKaMenta #neumarkt

Pilotphase vom 13.-26. Juni 2016 auf dem Dresdner Neumarkt.

Dresden, Paris, New York, aus dem Traum eines Künstlers entstand – WuKaMenta #neumarkt.

Mit der Idee des Schaudepots nähern sich die Museen wieder den Phänomen der Kunst- und Wunderkabinetten mit ihren Überraschungen.

Die WuKaMenta #neumarkt verlässt das Elitäre und geht zu den Menschen auf die Straße.

Täglich findet 17 Uhr etwas statt: Performances, Konzerte, Tanz und Theater.

33 Künstler agieren mit mobilen Galerien auf dem Neumarkt in Dresden.

Bildgalerie ° Fotos: André Wirsig

Wer macht bei WuKaMenta #neumarkt mit?

WuKaMenta #neumarkt – ist ein Labor, ein Markt, ein Festival und eine Messe.

Unterhalb der Wahrnehmungsschwelle „Kunst“ verunsichern die Interventionen mit „heimlich“ und „unheimlich“ changierenden Wechselbädern. Mobile Galerien mit wechselnden Künstlern und das Lügenmuseum sind vom 13.-26. Juni auf dem Neumarkt in Dresden zu erleben.

WuKaMenta #neumarkt eröffnet einen Erfahrungsaustausch zwischen lokalen, nationalen und internationalen Künstlern und Besuchern. Es versteht sich als Lern- und Erfahrungsort, als kritischer Impuls für den öffentlichen Raum, als Eingriff in das alltägliche Spannungsfeld von Dresden.

Veranstalter: Kunst der Lüge e. V.
Konzept: Reinhard Zabka, Juliane Vowinckel

Künstlerische Leitung: Richard von Gigantikow
Organisation: Tobias Heinemann

Twitter: @luegenmuseum
Website: www.luegenmuseum.de
Facebook: Lügenmuseum
Beitragsfoto: André Wirsig

Förderer: